Krankenversicherung für Selbstständige

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Selbstständige können die Krankenversicherung frei wählen. Ob dabei die private oder die gesetzliche Absicherung die bessere Wahl darstellt, hängt von der jeweils persönlichen Situation ab. Das 2019 in Kraft getretene Gesetz zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung schafft hier neue Grundlagen und Möglichkeiten.

Leistungen und Beiträge als wichtigste Auswahlkriterien

Die private und die gesetzliche Krankenversicherung unterscheiden sich immer erst einmal von der Leistungen her. Entscheidend für die Wahl der individuell passenden Krankenversicherung ist zudem die Beitragserhebung. Hier werden unterschiedliche Maßstäbe angelegt. Selbstständige sollten bei der Wahl also diese beiden Aspekte stets im Auge haben.

Einkommen spielt bei der PKV keine Rolle

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (kurz: GKV) ist die Beitragsberechnung klar definiert. Die monatlich fällige Prämie ist grundsätzlich vom Einkommen abhängig. Bei der privaten Krankenversicherung (kurz: PKV) kommt es demgegenüber in erster Linie auf diese Faktoren an:

  • auf die gewünschten Leistungen
  • auf den jeweiligen Gesundheitszustand
  • vom Alter

Ein individuelles Angebot erstellen lassen

Ein Mehr an Leistungen, eine umfangreiche Krankenakte bzw. -historie sowie ein höheres Alter ist also immer gleichbedeutend mit einem höheren Beitrag. Erfreut sich dagegen ein Versicherter bislang einer guten Gesundheit und zählt noch zur U40-Fraktion, muss er bei Einstieg in die private Krankenversicherung vergleichsweise niedrige Prämien zahlen. Da das Einkommen keine Relevanz besitzt, profitieren insbesondere gut verdienende Selbstständige und Freiberufler von den günstigen Tarifen.

Allerdings gibt es im Hinblick auf die Tarifgestaltung mitunter deutliche Unterschiede, welche Beiträge für welche Leistungen fällig werden. Interessierte sollten sich daher immer für ein auf Ihre persönliche Situation zugeschnittenes Angebot entscheiden. Ein umfassender Vergleich der Angebote und Leistungen ist hier daher unabdingbar.

Private Krankenversicherung – von diesen Vorteilen profitiert ein Selbstständiger:

  • Der Beitrag wird einkommensunabhängig berechnet
  • Gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung werden deutlich mehr Leistungen geboten
  • Das Leistungsniveau lässt sich individuell gezielt zusammensetzen
  • Einige Tarife bieten eine Beitragsrückerstattung sowie eine entsprechende Leistungsgarantie
  • Lediglich kurze Wartezeiten bei Arztterminen

Private Krankenversicherung – diese Nachteile fallen bei einem Selbstständigen an:

  • Keine kostenlose Familienversicherung möglich; jedes Familienmitglied muss einzeln und autark versichert werden
  • Die Höhe der Beiträge ist vom Alter und vom eigenen Gesundheitszustand abhängig. Für ältere Selbstständige und ältere Existenzgründer kann es also teuer werden, da die Beiträge im Alter mitunter erheblich steigen
  • Ab einem Alter von 55 Jahren ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr möglich

Die gesetzliche Krankenversicherung ist grundsätzlich einkommensabhängig

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird zur Berechnung der Beiträge immer das Einkommen herangezogen. Dies hat insbesondere Nachteile für gut situierte Selbstständige. Wer jeden Monat mehr als 4.537,50 (Stand: 2019) verdient, muss 662,48 Euro (allgemeiner Beitragssatz von 14,6%) pro Monat für seine gesetzliche Krankenversicherung ausgeben. Diese 4.537,50 Euro gelten auch gleichzeitig als Einkommensobergrenze die Beitragsbemessungsgrenze.
Wer mehr verdient, dessen Beitrag wird dennoch nach der Einkommensobergrenze berechnet. Hinzu kommen noch kassenindividuelle Zusatzbeiträge sowie zum Beispiel Extrabeiträge für einen besonderen Krankengeldanspruch. Summa summarum fallen in einem solchen Fall also – je nach Krankenkasse – mindestens 700 bis 800 Euro pro Monat an.

Nicht vergessen werden darf dabei, dass nicht nur das Arbeitseinkommen als Berechnungsgrundlage genutzt wird. Stattdessen werden auch Erträge aus Renten und Kapitalvermögen sowie Miet- oder Pachteinkünfte dem Einkommen zugerechnet. Wer als Selbstständiger also über ein entsprechend hohes Einkommen verfügt, für den wird die gesetzliche Krankenversicherung äußerst teuer. Und das komplett ohne Zusatzleistungen. Denn abgesichert ist grundsätzlich immer nur die Grundversorgung.

Der Mindestbeitrag für die GKV liegt aktuell bei 177 Euro

Anders sieht es für Selbstständige mit niedrigeren Einkommen aus. Wer nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen als Selbstständiger weniger als 1.038 Euro im Monat verdient, muss seit 2019 monatlich nur noch 177 Euro plus Zusatzbeitrag bezahlen. Zuvor diente bei Selbstständigen und Freiberuflern ein fiktives Mindesteinkommen von 2284 Euro pro Monat als Berechnungsgrundlage – und das auch dann, wenn der tatsächliche Verdienst weit unter diesem Mindesteinkommen lag.

Zusatzbeiträge können die GKV teuer machen

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Allerdings gibt es auch nach der aktuellen gesetzlichen Regelung keine weitere Abstufung nach unten. Verdient ein Selbstständiger zum Beispiel also lediglich 700 Euro oder noch weniger, fallen trotzdem die 177 Euro plus Zusatzbeitrag an. Selbstständige und Freiberufler sollten trotz dieser gesetzlich klaren Regelung die gesetzliche Krankenversicherung sorgfältig auswählen. Denn gerade die aufgerufenen Zusatzbeiträge variieren von Versicherung zu Versicherung mitunter enorm. Wer zum Beispiel um die 2.500 Euro im Monat verdient, muss inklusive Krankengeld zwischen 400 und 500 Euro an Zusatzbeitrag aufbringen.

Gesetzliche Krankenversicherung – von diesen Vorteilen profitiert ein Selbstständiger:

  • Eine Familienversicherung ist möglich
  • Kinder bis zum 25. Lebensjahr werden kostenlos mitversichert
  • Kalkulierbare Beiträge
  • Deutlich gesenkter Mindestbeitrag
  • Beiträge werden unabhängig von Alter und Gesundheit berechnet
  • Für Existenzgründer gibt es ermäßigte Beitragstarife

Gesetzliche Krankenversicherung – diese Nachteile fallen für einen Selbstständigen an:

  • Einkommensabhängiger Beitrag; steigt das Einkommen, erhöhen sich direkt auch die Beitragskosten
  • Unabhängig von der Beitragshöhe wird lediglich eine Grundversorgung geboten
  • Nur Zugang zu Einheitsleistungen
  • Die Krankenkassen können Leistungen streichen

Auf welche Tarife sollten Selbstständige Wert legen?

Wer als Selbstständiger in der GKV versichert ist, hat keine besonderen Vorteile durch spezielle Tarife. Denn die Regelversorgung ist von Krankenkasse zu Krankenkasse gleich. Allerdings lassen sich durch einen Wechsel der Krankenkasse mitunter bessere Leistungen respektive günstigere Zusatzbeiträge sichern. Laut eines umfassenden Vergleichs liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei rund 0,9% vom Brutto-Einkommen.

Zur Auswahl stehen bei der GKV grundsätzlich zwei unterschiedliche Beitragssätze:

  • der ermäßigte Beitragssatz ohne Krankengeldanspruch für 14,0% vom Bruttoeinkommen
  • der allgemeine Beitragssatz mit Krankengeldanspruch für 14,6% vom Bruttoeinkommen

Vom Grundschutz bis hin zum Rundum-Schutz

Ein anderes Bild ergibt sich für Selbstständige und Freiberufler im Hinblick auf die private Krankenversicherung. Die Versicherer haben hier gleich mehrere Tarife im Portfolio. Diese sind gestaffelt nach Leistungen und Beitragsniveau. So können Selbstständige zum Beispiel wählen, ob sie im Krankheitsfall eine Chefarztbehandlung und ein Einzelzimmer im Krankenhaus wünschen.

Auch das Beziehen von Krankenhaustagegeld oder etwa die Übernahme von Fahrtkosten kann vertraglich im Rahmen einer PKV geregelt werden. Selbstständige haben also die Möglichkeit, je nach Bedarf und dem eigenen Budget Tarife mit einem soliden Grundschutz, mit zusätzlichem bzw. erweiterten Leistungsniveau oder auch gleich mit einem kompletten Rundum-Schutz zu wählen. Alles eine Frage des Bedarfs und der Beitragshöhe.

Die Pflegeversicherung wird von der GKV abgedeckt

Weg zur Selbstständigkeit
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Die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV deckt bei beruflich Selbstständigen und Freiberuflern zudem auch die Pflegeversicherung komplett ab. Der aktuelle Beitragssatz liegt bei 3,05% des Brutto-Einkommens (Stand Juni 2019) von Versicherten mit Kindern. Ohne Kinder beträgt der Beitragssatz dagegen 3,3% (Stand Juni 2019). Auch die privaten Krankenversicherer bieten eine private Pflegeversicherung an. Zumeist erfolgt dies in Kombination mit der privaten Krankenversicherung.

Allerdings müssen nicht zwingend Kranken- und Pflegeversicherung bei nur einem Anbieter abgeschlossen werden. Alternativ können sich Selbstständige und Freiberufler auch für unterschiedliche Anbieter entscheiden.

Private Pflegeversicherung: Versicherte müssen in Vorleistung treten

Zu berücksichtigen ist zudem, dass privat Versicherte bei anfallenden Behandlungs- und Pflegekosten immer in Vorleistung gehen müssen. Die Versicherten erhalten dann vom behandelnden Arzt oder dem jeweils involvierten Pflegedienst einen entsprechenden Nachweis über die Kosten der erbrachten Leistungen. Anschließend muss dieser der Pflegekasse vorgelegt werden. Dann erstattet diese einen Teil des angefallenen Betrags zurück. In der GKV werden die Leistungen dagegen als Sachleistungen sofort erbracht. Einen Teil der Kosten steuert der gesetzlich Versicherte dann dazu.

Selbstständige: PKV oder GKV?

Ob eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung für einen Selbstständigen oder einen Freiberufler letztendlich die bessere Lösung darstellt, kann pauschal niemals eindeutig beantwortet werden. Beide Versicherungstypen bieten explizite Vorteile und Nachteile. Fakt ist, dass gut verdienende Selbstständige in der Regel in der privaten Krankenversicherung besser aufgehoben sind. Denn hier errechnet sich der Beitrag nicht aus der Einkommenshöhe.

Verfügt ein Selbstständiger demgegenüber lediglich über ein geringes Einkommen, kann er von der Mindestbeitragsregelung innerhalb der GKV profitieren.
Aber auch hier gilt: Selbst Einkommen im untersten Bereich fallen unter diese Regelung. Wer also zum Beispiel ein Einkommen von nur 600 Euro im Monat erwirtschaftet, dessen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung errechnet sich dennoch aus dem gesetzlich vorgegebenen Mindestbeitrag bzw. -einkommen. Dafür ist dann allerdings – wenn gewünscht – die Familie gleich mitversichert.

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Aktualisiert am 06.06.2019