Krankenversicherung für Kleinunternehmer

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Kleinunternehmer haben in der Regel die Wahl welcher Krankenversicherung sie beitreten möchten: Sie können sich entweder gesetzlich (GKV) oder privat (PKV) krankenversichern. Beide Varianten haben spezifische Vorteile und Nachteile, weshalb sich nicht allgemeingültig sagen lassen kann, welche Versicherung die bessere ist.

Kleinunternehmer – nicht zu verwechseln mit dem Kleingewerbe

Die Begriffe Kleinunternehmer und Kleingewerbe werden häufig als Synonyme genutzt. Dies ist jedoch nicht korrekt, obwohl viele Kleinunternehmer faktisch ein Kleingewerbe betreiben. Kleinunternehmer sind Personen, die mit ihrem Betrieb (bzw. mit ihren selbständigen oder freiberuflichen Dienstleistungen) von der Umsatzsteuer befreit sind. Dies ist dann der Fall, wenn ihr Jahresumsatz unter 17.500 Euro bleibt.
Theoretisch dürfen Kleinunternehmer im Folgejahr einen Umsatz von bis zu 50.000 Euro machen und bleiben noch immer von der Umsatzsteuer für die entsprechenden zwölf Monate befreit. Dadurch, dass die 17.500 Euro übertroffen wurden, wird jedoch eine Umsatzsteuerpflicht für das Folgejahr ausgelöst.

Im Kleingewerbe sind Wirtschaftstreibende dann tätig, wenn sie keine kaufmännische Geschäftsführung betreiben und sich nicht ins Handelsregister eintragen lassen müssen. Die Höhe des Umsatzes (und damit auch die Höhe des Verdienstes) sind dabei irrelevant.

Personen können problemlos ein Kleingewerbe betreiben, aber nicht Kleinunternehmer sein. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Verdiensthöhe bei der Wahl der Krankenversicherung eine erhebliche Rolle spielt.

Die gesetzlichen Vorgaben

Nur Kleinunternehmer, die ihrer eigenständigen Tätigkeit im Hauptgewerbe nachgeben, sind versicherungsfrei. Dies bedeutet, sie können zwischen GKV und PKV wählen. Wer nur im Nebengewerbe Kleinunternehmer ist und hauptsächlich als Angestellter arbeitet, muss sich gesetzlich versichern. Einzige Ausnahme ist, wenn das Gehalt aus der Arbeitnehmer-Beschäftigung jährlich über 60.750 Euro brutto (Stand: 2019, die sogenannte „Versicherungspflichtgrenze“) liegt. Dann besteht ebenfalls Wahlfreiheit.

Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebengewerbe ergibt sich über die wöchentliche Arbeitszeit. Wer mehr als ein Drittel der Zeit für die eigenständige Tätigkeit aufwendet, die ein vergleichbar beschäftigter Arbeitnehmer arbeitet, ist im Hauptgewerbe tätig. Ansonsten liegt ein Nebengewerbe vor. +

Als Beispiel: Person A eröffnet einen Smartphone-Shop. Beim Konkurrenten B arbeitet C als Angestellter 40 Stunden die Woche. Steht A wenigstens 13,34 Stunden in seinem Laden, ist er im Hauptgewerbe tätig. Ansonsten betreibt er ein Nebengewerbe und muss sich gesetzlich versichern. Liegt zeitgleich ein Angestelltenverhältnis vor, gilt die Beschäftigung als Hauptgewerbe, für die mehr Stunden aufgewendet werden.

Keine Wahl haben Personen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und bislang privat versichert waren. Sie müssen es auch in Zukunft bleiben. Sie besitzen kein Wechselrecht in die GKV. Personen, die sich dieser Grenze nähern und über eine Selbständigkeit nachdenken, sollten deshalb frühzeitig entscheiden, ob sie in eine gesetzliche Versicherung gehen möchten.

Vor- und Nachteile der GKV für Kleinunternehmer

Die Vorteile

Kleinunternehmerin
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Eine GKV ist besonders für Familien vorteilhaft. Im Rahmen der sogenannten „Familienversicherung“ können Ehepartner und Kinder (bis Ende 18. Lebensjahr oder Ende 23. Lebensjahr, wenn keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wird, Ende 25. Lebensjahr bei Ausbildung oder Studium) kostenlos mitversichert werden. Der Kleinunternehmer kann also, wenn sein Partner bzw. seine Partnerin besser verdient, ohne Zusatzkosten beim Ehegatten in der GKV versichert sein.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen zeichnet zudem Beitragsstabilität aus. Verantwortlich hierfür ist das Solidarsystem: Die Gesunden zahlen für die Kranken und die Jungen für die Alten. Dadurch steigen die monatlichen Prämien in fortgeschrittenen Lebensjahren nicht an. Dies wäre andernfalls zwangsläufig, da mit dem Alter gesundheitliche Beschwernisse einhergehen. Generell gilt und dies ist ein weiterer Vorteil: Der Gesundheitszustand oder etwaige Vorerkrankungen spielen keine Rolle bei der Beitragszumessung. Wer entsprechend belastet ist, zahlt in der GKV immer weniger als in der PKV.

Die Nachteile

Die Höhe der Beiträge hängen in der gesetzlichen Versicherung von den Einkünften ab. Ohne Krankentagegeld werden 14,0% (mit Tagegeld: 14,6%. Stand: 2019) aus der Summe aller Einkünfte (also beispielsweise auch Gründungszuschuss) veranschlagt. Dazu kommen der von der Kasse individuell festzulegende Zusatzbeitrag. Durchschnittlich liegt dieser bei 0,9% (Stand: 2019). Der Gesetzgeber hat einen Mindestbemessungsbeitrag festgelegt. Dieser wurde zwar zum Jahr 2019 halbiert und beträgt deshalb nur noch 1038,33 Euro. Gerade für Existenzgründer kann dies dennoch ein ernstes Problem bedeuten. Monatlich werden (mit Kinderlosenzuschlag in der Pflegeversicherung) wenigstens 177,04 Euro fällig. Wer z.B. nur 600 Euro einnimmt, ist erheblich belastet.

Für Kleinunternehmer sind auch die Zuzahlungen in der GKV zu Medikamenten ein Problem. Diese bewegen sich pro verschriebene Arznei zwar nur zwischen fünf und zehn Euro. Mit einer schweren Vorerkrankung können die Zuzahlung zur erheblichen Belastung werden. Insbesondere im Zusammenspiel mit dem Kassenbeitrag.

Der Leistungskatalog der GKV ist zudem kleiner als der von den PKV. Insbesondere im Bereich der Zähne oder der Sehhilfen wird dies spürbar. Gleiches gilt für Besuche bei Heilpraktikern, Osteopathen oder Physiotherapeuten. Hier werden hohe Zu- und teilweise komplette Eigenzahlungen fällig. Wer dies umgehen möchte, ist fast gezwungen, private Zusatzversicherungen abzuschließen. Diese bedeuten aber natürlich ebenfalls eine wirtschaftliche Belastung.

Kleinunternehmer werden zudem in den GKV Opfer des Fluchs der guten Tat. Steigen ihre Einnahmen, steigen auch die Beiträge. Besonders relevant ist dies, wenn die betreffende Person umsatzsteuerpflichtig wird. Nicht in jedem Bereich lässt sich die Umsatzsteuer problemlos an die Kunden weiterreichen. Im Dienstleistungsgewerbe müssen die vormaligen Kleinunternehmer diese häufig auf sich nehmen. So entsteht eine doppelte Zusatzbelastung: höhere Beiträge für die Kasse und die Abgaben.

Vor- und Nachteile der PKV

Die Vorteile

Kleinunternehmer
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Der größte Vorteil der PKV ist ihr Leistungskatalog. Dieser ist derart umfassend, dass Zusatzversicherungen oder Zuzahlungen (geschweige denn Eigenzahlungen) nicht notwendig werden. Junge und gesunde Versicherte zahlen lediglich ihre monatlichen Beiträge und werden im Bedarfsfall über ihre Versicherung bestmöglich abgesichert. Eigenbeteiligungen können allerdings vereinbart werden, um die monatliche Prämie zu reduzieren.

Eigentlich ist auch ein Vorteil, dass die Beiträge in den PKV nicht von den Einkünften abhängen. Stattdessen werden diese über Alter, Gesundheit und das alltägliche Risiko (Dachdecker zahlen mehr als Bürokräfte) ermittelt. Junge und gesunde Versicherte können deshalb eigentlich in den PKV sogar weniger zahlen als in den GKV.

Für Kleinunternehmer aufgrund ihrer geringen Bezüge gilt dies aber faktisch nicht. Private Versicherungen fangen ab 300 Euro monatliche Beiträge an. Wie oben erwähnt, liegen die GKV mit der Mindestbemessungsgrenze darunter. Die Beitragshöhe wird erst dann zu einem echten Vorteil der PKV, wenn die Einkünfte des Versicherten stark steigen.

Die Nachteile

In den PKV gibt es kein Pendant zur gesetzlichen Familienversicherung. Wer zudem eine Vorerkrankung hat oder dauerhafte gesundheitliche Probleme bekommt, muss mit stark steigenden Kosten rechnen. Dies gilt ebenfalls im Alter. Die PKV versuchen zwar, über Altersrückstellungen gegenzusteuern. Zudem sind sie gesetzlich verpflichtet, einen Beitragszuschlag in Höhe von 10% (22. – 60. Lebensjahr) zu nehmen, um die Kosten im Alter abzufedern. Diese Gelder reichen aber in der Regel nicht aus. Spürbare Beitragssteigerungen im Alter sind an der Tagesordnung. Ältere zahlen fast doppelt so viel in der PKV wie in der GKV.

Als Beispiel: Liegt die allgemeine Beitragspflicht bei 1500 Euro (für Kleinunternehmer ein realistischer Wert), zahlen Ältere in der GKV 275,25 Euro monatlich. In einer PKV werden durchschnittlich im Standardtarif 460 Euro fällig. Der eigentlich mögliche Wechsel in den Basistarif ist nicht empfehlenswert, weil dann die angesparten Altersrückstellungen verloren gehen.

Versicherte müssen für Medikamente zudem in voller Höhe in Vorkasse gehen. Sie erhalten den Betrag zwar zurück, aber gerade für Kleinunternehmer ist die Vorkasse eine erhebliche Belastung. Faktisch dürften die meisten Kleinunternehmer deshalb sogar die nicht erstattungsfähigen Zuzahlungen in den GKV als vorteilhafter empfinden.

Fazit

Für Kleinunternehmer ist der finanzielle Faktor aufgrund der begrenzten Umsätze in der Regel der wichtigste Faktor bei der Wahl der Kasse. Und in dieser Frage sind die GKV durch die Reduzierung der Mindestbemessungsgrenze im Jahr 2019 sowie durch die Familienversicherung und die Stabilität der Beiträge im Alter überlegen.

Die PKV sind nur dann vorteilhafter, wenn ein junger und gesunder Kleinunternehmer drastische Einnahmesteigerungen erwartet. Eventuell gilt dies auch, wenn er eine Leistung regelmäßig und oft benötigt, die in einer GKV selbst zu zahlen wäre. Unter dem Strich steht deshalb: Wer Kleinunternehmer ist und es mittel- und langfristig bleibt, sollte sich im Normalfall gesetzlich versichern.

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