Krankenversicherung für Freiberufler

Freiberuflerin im Office
© Liubov Levytska / Adobe Stock

Aufgrund ihrer Selbständigkeit haben Freiberufler die Wahl zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung. Die Entscheidung ist maßgeblich von der persönlichen Situation abhängig und wird daher durch unterschiedliche Faktoren bestimmt. Vor- und Nachteile besitzen beide Systeme.


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Wahl der Krankenversicherung sollte gut überlegt sein

In Deutschland ist die Krankenversicherung eine Pflichtversicherung. Abgeschlossen muss solch eine also in jedem Fall, Freiheiten bestehen zwischen der Wahl des Systems (gesetzlich oder privat) sowie zwischen den unterschiedlichen Versicherern und ihren Tarifen sowie Tarifbestandteilen. Die Krankenversicherung ist aber auch eine wertvolle Police, die eine optimale und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung bei kleinen Wehwehchen ebenso wie bei schwerwiegenden Erkrankungen und daraus resultierenden Behandlungen ermöglicht.

Freiberufler haben mit der Krankenversicherung deshalb die Möglichkeit sich bestmöglich zu schützen, sollten aber entstandene Kosten und mögliche Zusatzleistungen berücksichtigen. Speziell bei der privaten Krankenversicherung offenbart sich ein weiterer Grund, warum die Wahl so wichtig ist. Aufgrund von Altersrückstellungen und Gesundheitsprüfungen wird die Krankenversicherung wenig bis gar nicht mehr gewechselt. Lässt sich eine Hausrat- oder Haftpflichtpolice recht beliebig kündigen und neu abschließen, existieren aufgrund der Altersrückstellungen und Gesundheitsprüfungen bei der privaten Krankenversicherung höhere Hürden.

Gesetzliche Krankenversicherung: Welche Vorteile bringt sie für Freiberufler mit?

Freiberulfer arbeiten zusammen
© Lumina Images / Abode Stock

Wird die GKV gewählt, tritt der Freiberufler als „freiwillig gesetzlich Versicherter“ in diese ein. Die gesetzlichen Versicherer in Deutschland offerieren einen annähernd identischen Leistungskatalog, da die gesetzliche Krankenversicherung strikt durch den Staat überwacht wird. Der Versicherer, bei dem in die GKV eingetreten wird, darf dennoch weiterhin gewählt werden. Unterschiede zwischen den Versicherern sind aber geringfügiger als bei der PKV.

Die GKV ist zugleich eine Familienversicherung, das gilt für Freiberufler ebenso. Das heißt, dass sich in dieser Kinder kostenfrei mitversichern lassen, in der PKV ist für diese zusätzlich zu zahlen. Freiberufler mit Familien, oder bereits konkretem Kinderwunsch, müssen selbiges also in die Wahl der Versicherung einfließen lassen. Dann ist eine Kalkulation erforderlich, bei der die zusätzlichen Beiträge für die Kinder in der PKV mit der kostenfreien Mitversicherung in der GKV (und den da fälligen Gesamtbeträgen) verglichen werden.

Die gesetzlichen Versicherer müssen zudem jede Person in den Kreis den Versicherten aufnehmen. Es gibt keine vorherige Gesundheitsprüfung, da der aktuelle Gesundheitszustand keine Rolle bei der Erhebung der fälligen monatlichen Beiträge spielt

  • diese bilden sich immer prozentual anhand des Einkommens. Eine Unabhängigkeit mit Hinblick auf das Alter ist ebenso gegeben. Für Freiberufler, die in mittlerem oder höherem Alter die Krankenversicherung wechseln, ist das ein ganz entscheidender Umstand. Sowohl die Gesundheitsprüfung als auch das Alter spielen bei der PKV eine Schlüsselrolle
  • beides wirkt sich meist in höheren Beiträgen aus. Speziell im mittleren und hohen Alter würden bei einer PKV außerdem die Altersrückstellungen fehlen, die eigentlich in jüngeren Versicherungsjahren gebildet werden – dadurch steigt die finanzielle Belastung für den Versicherten.

Eine Unterstützung für Existenzgründer bzw. frisch gestarteten Freiberuflern ist bei der gesetzlichen Krankenversicherung gegeben. Selbige können, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit eintreten, einen Gründungszuschuss bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Positiv wirkt sich im Zuge dessen aus, dass die Bemessungsgrenzen niedriger angesetzt werden. Sie verfügen aktuell (Stand: 2019) über diese Minimal- und Maximalwerte:

  • mindestens 1.038,33 Euro Einkommen werden zur Bemessung der Beiträge angenommen
  • aber höchstens 4.537,50 Euro Einkommen

Wer als Freiberufler also mehr als die 4.537,50 Euro im Monat verdient, zahlt trotzdem nur Beiträge, die diesem Wert entsprechen.

Zur Erinnerung: Während die private Krankenversicherung „pauschal“ abgerechnet wird, ergeben sich Beiträge in der GKV immer anhand des Einkommens. Ein ermäßigter Beitragssatz entspricht 14,0%, der Normalsatz mit Krankengeld 15,5%.

Nachteile der GKV

Nachteile gibt es ebenso, viele davon lassen sich bereits aus den Vorteilen ableiten. Erneut sei darauf hingewiesen, dass die Entscheidung zwischen den Versicherungen sehr individuell ist. Was für eine Person ein Vorteil darstellt, könnte für eine andere Person ein Nachteil sein. Das lässt sich sehr gut an der prozentualen Bemessung der Beiträge festmachen.

Mit steigendem Einkommen (bis zur Höchstgrenze) muss auch mehr in die Versicherung eingezahlt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob tatsächlich Leistungen in Anspruch genommen werden. Vor allem bei jungen, gesunden Freiberuflern ist die gesetzliche Krankenversicherung daher meist wesentlich teurer als die private. Außerdem besteht, wie eben bereits erwähnt, ein Mindesteinkommen, was bei der Bemessung der Beiträge unterstellt wird. Selbst wenn das nicht erreicht wird, müssen trotzdem daraus gebildete Beiträge gezahlt werden. Steigt das Einkommen an, gehen von jedem Zugewinn die 14% beziehungsweise 15,5%  für die GKV zusätzlich ab.

Freiberufler sind außerdem generell schlechter gestellt. Die GKV konzentriert ihr Modell zwangsläufig auf Arbeitnehmer. Das zeigt sich schon daran, dass sich bei Arbeitnehmern der Arbeitgeber zur Hälfte an den Beiträgen beteiligt – der Freiberufler muss diese jedoch zu 100% aus eigener Tasche stemmen. Das kann zu einer finanziellen Mehrbelastung werden, insbesondere im direkten Vergleich zur PKV.

Nicht zuletzt muss auch ein von gesetzlichen Versicherern häufig unterschlagener Nachteil berücksichtigt werden: die Gesundheitsversorgung ist als Mitglied einer PKV schlichtweg besser. Privatversicherte haben gegenüber Gesetzlichen in der Praxis diese Vorteile:

  • schnellere Termine bei Fachärzten
  • oftmals kürzere Wartezeiten ohne Termin
  • (je nach Tarif) keine Überweisungen vom Hausarzt notwendig
  • weitere Zuschüsse für Hilfsmittel oder Leistungen
  • oftmals eine bessere Versorgung durch teurere Behandlungen, zum Beispiel beim Zahnarzt

Die Vorteile sind nicht direkt der PKV und ebenso nicht direkt der GKV zuzuordnen. Sie existieren in der Praxis aufgrund der Ausrichtung der Gesundheitsversorgung und der Handhabung der freien Ärzte aber definitiv.

Die private Krankenversicherung: Welche Vorteile bringt diese mit?

Freiberufler im Office
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Mit einem Eintritt in die private Krankenversicherung zahlen Freiberufler einen fixen Betrag. Die Höhe des Einkommens ist demnach unerheblich, was sich speziell für mittlere bis hohe Einkommen auszahlt. Zudem gelten die eben bereits erwähnten Vorteile mit Hinblick auf das deutsche Gesundheitssystem, also eine bessere Versorgung, auch erlangen Versicherte Zutritt zu privaten Arztpraxen. Solche nehmen lediglich privatversicherte Patienten auf, was eine wesentlich schnellere Terminvergabe ermöglicht. Ärzte können, da sie durch die PKV besser vergütet werden, zumeist mehr Zeit für Patienten aufwenden, was für solche Privatpraxen noch stärker gilt.

Junge Freiberufler genießen einen weiteren Vorteil, wenn in der Gesundheitsprüfung keine außergewöhnlichen Risiken festgestellt werden: geringere Beiträge. Speziell in jungen Jahren sind die Beiträge in der PKV weitaus niedriger als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Begründung ist einfach: die Privatversicherungen agieren nach wirtschaftlichen Grundsätzen. Da ein junger Mensch für gewöhnlich weniger häufig krank wird und weniger teure Behandlungen als eine ältere Person benötigt, muss er auch weniger Geld in die Versicherung einzahlen.

In der Vergangenheit hat das häufig zu rasant steigenden Beiträgen im Alter geführt. Diesem Umstand wurde mittlerweile durch den Gesetzgeber entgegengewirkt. Private Versicherer müssen nun in jungen Jahren Altersrückstellungen anlegen. Man zahlt also etwas mehr als früher, wobei der dabei entstandene Puffer dann im Alter abgebaut wird, um da zu schnell und stark steigenden Beiträgen entgegenzutreten. Das System funktioniert vor allem dann gut, wenn in den jungen Jahren in die PKV eingetreten wird. Jeder zusätzliche Monat in der PKV sorgt dafür, dass der Puffer für Altersrückstellungen ansteigt.

Ein Teil der gezahlten Beiträge wird mitunter zurückgezahlt, wenn im selben Jahr keine erstattungsfähigen Leistungen beansprucht wurden. Wer also gesund bleibt, spart sogar noch mehr.

Nachteile der PKV

Die private Krankenversicherung bietet mitunter günstige Möglichkeiten an, um eigene Kinder mitzuversichern. Es ist aber, entgegen der GKV, nicht möglich diese komplett kostenfrei zu versichern – die Familienversicherung nach dem Vorbild der GKV gibt es bei der PKV also nicht.

Zudem müssen Freiberufler zumindest kurzfristig in Vorleistung gehen, da sie die Rechnungen beim Arzt selbst begleichen und sich das Geld dann von der Versicherung erstatten lassen. Mit einem großzügigen Zahlungsziel der Arztpraxis und einem frühzeitigen Einreichen der Belege kann dieser Nachteil mitunter komplett umgangen werden.

Die Gesundheitsprüfung muss bei einem Wechsel des Versicherers erneut abgelegt werden. Deshalb binden sich Freiberufler meist dauerhaft an eine private Krankenversicherung, da die Gesundheitsprüfung vor allem im Alter meist nicht zum Vorteil des Versicherten ausfällt. Ebenso sind steigende Beiträge im Alter, trotz der Rückstellungen, denkbar. Speziell ältere Existenzgründer, die erst spät in die PKV eintreten und daher keinen Puffer aufbauen, müssen mit höheren Beträgen rechnen.

Fazit

Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Für junge Freiberufler mit mittlerem bis hohem Einkommen punktet vor allem die PKV, einerseits durch günstigere Beiträge und andererseits durch Erstattungen, Zusatzleistungen sowie eine bessere Gesundheitsversorgung.

Ältere Freiberufler fürchten bei der privaten Krankenversicherung mitunter zurecht die Gesundheitsprüfung, haben keine Familienversicherung und keine Rückstellungen, die in jungen Jahren aufgebaut worden: für sie ist die GKV daher mitunter die bessere Lösung, insbesondere wenn schon größere Erkrankungen in der Vergangenheit oder chronische Krankheiten vorliegen.

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