Krankenversicherung für Existenzgründer

Existenzgründerinnen
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Gesetzliche oder Private Krankenversicherung? Dies ist eine der ersten Entscheidungen, welche Existenzgründer zu treffen haben. Und sie ist eine ganz Wesentliche, bestimmt sie schließlich Leistungsumfang und Beitrag. Doch worin liegen die Unterschiede? Was Existenzgründer vor dem Abschluss wissen sollten.

In Deutschland gilt die Pflichtversicherung

Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, sollte sich frühzeitig mit den Leistungen sowie den Kosten einer Krankenversicherung umfassend auseinandersetzen. Schließlich muss der Beitrag vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden und somit sowohl Arbeitnehmer- wie auch Arbeitgeberanteil. Den Schutz durch eine Krankenversicherung, sei es die GKV oder PKV, muss jeder Existenzgründer nachweisen können. Schließlich muss in Deutschland – etwa anders als in den USA – jeder eine Krankenversicherung besitzen, handelt es sich hierbei schließlich um eine Pflichtversicherung.

Entgegen der meisten abhängig Beschäftigten, können Existenzgründer ihre Versicherungspflicht mittels einer Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung oder durch den Abschluss einer privaten Krankenvollversicherung entsprechen.

Wichtigste Merkmale der GKV

Mitversicherte

Die gesetzliche und die private Krankenversicherung basieren auf zwei unterschiedlichen Systemen. Krankenkassen sind als Solidargemeinschaft organisiert, in welcher sich die Beitragshöhe der versicherten Mitglieder nicht am individuellen Einkommen orientiert. Familienangehörige, also Ehepartner und Kinder, können sich zumeist beitragsfrei mitversichern, sofern diese in der GKV nicht selbst versicherungspflichtig oder versicherungsfrei sind. Dies gilt nicht in einer Partnerschaft ohne Trauschein, weshalb sich hier jeder Partner selbst versichern muss.

Leistungsumfang

Unter den verschiedenen gesetzlichen Kassen sind die Leistungen im Wesentlichen vergleichbar. Schließlich sind rund 95% der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben und für sämtliche Krankenkassen gleich. Darüber hinaus können jedoch auch freiwillige Zusatzleistungen aufgenommen werden, welche über den gesetzlich definierten Rahmen hinausgehen. Von Kasse zu Kasse können diese teils deutlich abweichen. So leisten einige Krankenkassen für alternative Heilbehandlungen – etwa osteopathische oder homöopathische Therapien – oder zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen (z.B. Darmspiegelung, Hautkrebsvorsorge oder besondere Untersuchungen zur Brustkrebsvorsorge).

Andere wiederum bieten ihren Versicherten einen vergleichbaren Zahnersatz oder einen Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung. Nicht wenige Kassen belohnen zudem einen gesunden und aktiven Lebensstil in Form von Bonusprogrammen. Hierzu muss das Mitglied etwa bestimmte Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen oder an Gesundheitskursen teilnehmen. Können entsprechende Aktivitäten nachgewiesen werden, gibt es Bonuspunkte, welche sich in Gutscheine, Sachprämien oder Geld eintauschen lassen.

Gruppe von Existenzgründern
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Beitragshöhe

Selbständige, welche eine gesetzliche Krankenversicherung wählen, gelten dort als freiwillig versichert. Seit diesem Jahr bezahlen Existenzgründer lediglich die Hälfte des eigentlichen Krankenversicherungsbeitrags, ist die Beitragsbemessungsgrenze schließlich auf 1.015 Euro herabgesetzt worden.
Neben Wahltarifen, Bonusprogrammen und freiwilligen Zusatzleistungen unterscheiden sich die einzelnen Kassen insbesondere in der Höhe des Zusatzbeitrages, welcher im Durchschnitt 0,9% beträgt und von Existenzgründern voll zu bezahlen ist (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil). Andernfalls würden sich die einzelnen Kassen angesichts eines allgemeinen Beitragssatzes in 2019 von 14,6% unter diesem Aspekt nicht unterscheiden. Der jeweilige Beitrag bleibt im Zeitverlauf unabhängig von Alter und Gesundheitszustand unverändert. Dafür steigen jedoch die Beiträge bei höher werdendem Einkommen.

Leistungsprinzip und Versicherbarkeit

Nicht zuletzt gilt in der GKV das Sachleistungsprinzip: Danach erhalten die Mitglieder erforderliche medizinische Leistungen, ohne selbst finanziell in Vorleistung treten zu müssen. Auch wenn der Existenzgründer unter erheblichen Vorerkrankungen leidet, kann eine gesetzliche Kasse diesem die Versicherbarkeit nicht verwehren. Vielmehr besteht ab dem ersten Tag ein voller Anspruch auf das Leistungsangebot.

Mehrleistungen gegenüber der PKV

  • Kann der versicherte Existenzgründer seiner Tätigkeit aufgrund der Erkrankung seines Kindes nicht nachgehen, so erhält er ein Kinderkrankengeld. Und erwartet den Selbständigen wegen Krankheit ein Aufenthalt im Krankenhaus und kann er deswegen auf seine Kinder nicht aufpassen, besitzt er einen Anspruch auf Bezahlung einer Haushaltshilfe. Während des Mutterschutzes zahlt die GKV zudem ein Mutterschaftsgeld.
  • Wer sich als Existenzgründer für die GKV entscheidet, erhält medizinische Vorsorgeleistungen sowie Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, allgemein auch als Kur bezeichnet.
  • Empfängnisverhütende Mittel bezahlt die GKV bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres, sofern sie ärztlich verordnet werden.

Grundsätzlich gilt bei jeglicher Erkrankung: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für all die Therapien und Behandlungen, die als wissenschaftlich abgesichert sowie medizinisch notwendig gelten – und zumeist auch nur diese.

Wichtigste Merkmale der PKV

Mitversicherte

Ganz anders das System, auf welches die private Krankenversicherung beruht. So wird der Beitrag grundsätzlich nach dem gewählten Leistungskatalog sowie dem Eintrittsalter kalkuliert. Ferner sind Familienangehörige wie Ehegatte oder Kinder nicht kostenfrei mitversichert, sondern gegen Beitrag zusätzlich zu versichern. Dies gilt etwa auch dann, wenn die Ehegattin nicht berufstätig sein sollte. Die Vorschrift für eigene Kinder fällt im Zweifel allerdings so aus, dass sie sich privat mitversichern müssen.

Beitragshöhe

Als Existenzgründer spielt die Höhe des Einkommens keine Rolle. Denn der Beitrag richtet sich ausschließlich nach Leistungsumfang, Alter und Gesundheitszustand. Steigt das Einkommen, bleibt der Beitrag somit unverändert.

Leistungsprinzip und Versicherbarkeit

In der privaten Krankenversicherung herrscht das Kostenerstattungsprinzip. Der Versicherte erhält sämtliche Rechnungen für Leistungen, welche er beansprucht hat und muss diese im ersten Moment selbst übernehmen. Erst im Anschluss daran kann er die Leistungen mit seinem Versicherer abrechnen. Es kann dabei vorkommen, dass nicht die gesamte Summe erstattet wird, weil die konkrete Leistung beispielsweise nicht versichert gilt oder die Arztrechnung gebührenrechtlich nicht korrekt ist.

Wer unter schwerwiegenden Vorerkrankungen leidet, muss davon ausgehen, mit hohen Zuschlägen oder gar einer Ablehnung seines Versicherungsantrags konfrontiert zu werden. In einem solchen Fall bleibt lediglich der Abschluss des Basistarifs, welcher an den Leistungen der GKV angelehnt ist. Aber auch Ausschlüsse sind denkbar. Schließlich wertet die PKV Vorerkrankungen als nicht gedeckten Versicherungsfall vor Versicherungsbeginn. Konkret bedeutet dies: Hat eine bestimmte Heilmaßnahme vor Vertragsabschluss begonnen, können weitere Erstattungen für die Behandlung dieser Vorerkrankung abgelehnt werden.

Existenzgründer
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Welche Leistungen nicht umfasst sind

Krankengeld erhalten PKV-Versicherte nicht. Vielmehr ist der Abschluss einer zusätzlichen Krankentagegeldversicherung erforderlich. Mit dieser ist das Einkommen des Existenzgründers bei einem stationären Krankenhausaufenthalt versichert.

Privatversicherte Existenzgründer gehen zudem auch bei Kostenerstattungen für eine Haushaltshilfe und beim Kinderkrankengeld leer aus. Während des Mutterschutzes sieht eine Private Krankenversicherung auch nicht die Bezahlung von Mutterschaftsgeld vor. Wem infolge einer Erkrankung eine Kur angeraten wird, bekommt die hierbei anfallenden Kosten lediglich dann erstattet, wenn zuvor ein separater Kurkostentarif und ein gesonderter Tarif für die Einbeziehung von Leistungen der medizinischen Rehabilitation zusätzlich abgeschlossen wurde. Kosten für empfängnisverhütende Mittel werden hingegen von der PKV in der Regel nicht übernommen.

Auf den ersten Blick scheinen die Leistungen der GKV die der PKV zu übertreffen. Dies mag in bestimmten Fällen zwar sicherlich zutreffend sein. Doch je nach gewähltem Tarif in der PKV, übertreffen die privaten Versicherungsleistungen die des gesetzlichen Pendants zum Teil sehr deutlich.

Tarifabhängige Leistungserweiterungen in der PKV

Im Zweifel kommt die private Krankenversicherung für jegliche Behandlung und Therapie auf, egal ob diese in ausreichender Qualität erbracht wurde und medizinisch erforderlich war. Dies bedeutet, dass die Kosten für neuartige Behandlungs- und Diagnoseverfahren in der Regel anstandslos übernommen werden, auch wenn sie teuer ausfallen.

Ein großer Pluspunkt gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung, welche bei Medikamenten oftmals lediglich die Kosten für Generika übernimmt, ist die Erstattung von teuren Originalpräparaten, für welche die PKV Rabattverträge mit den Herstellern abgeschlossen hat. Wesentliche Unterschiede bestehen zudem bei den Komfortleistungen:

Unterbringung im Krankenhaus

PKV-Versicherte haben je nach Tarifvariante einen Anspruch auf Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Ist dies etwa aufgrund einer Vollbelegung in der Klinik nicht möglich, bezahlt der Versicherer ersatzweise ein Ersatzkrankenhaustagegeld je Krankenhaustag.

Stationäre Arztbehandlung

Sieht der Tarif eine Chefarztbehandlung vor, erhält der Existenzgründer am Ende seines Krankenhausaufenthalts eine zusätzliche Arztrechnung, die er seiner Versicherung zur Kostenrückerstattung vorlegen kann. Diese Leistung sieht jedoch nicht zwingend vor, dass der Chefarzt alle ärztlichen Leistungen persönlich erbringen muss.

Physiotherapie und vergleichbare Anwendungen

Die Zahl dieser Anwendungen fällt bei der PKV zumeist besser aus. Es gelten etwa keine Begrenzungen, wenn der Patient zur Genesung mehr Anwendungen benötigt. Weil in der PKV aber oft eigene Gebührenordnungen und Leistungskataloge gelten, sollten Existenzgründer diese vorab vergleichen.

Für alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder den Besuch des Heilpraktikers sehen gute Tarife volle Kostenübernahme vor. Und auch die Psychotherapie gehört längst zum Standard der PKV. Weil jedoch die Behandlungskosten in diesem Bereich in den letzten Jahren stark gestiegen sind, sehen Tarife fast immer Mengenbegrenzungen vor. Zumindest dies ist in der GKV nicht der Fall.

Hörgeräte und Sehhilfen

Für das erste Hörgerät erhalten GKV-Versicherte einen Zuschuss von von bis zu 784,94 Euro, bei Kosten von bis zu 2.500 Euro. An den Kosten für eine Brille beteiligt sich die Kasse dagegen nur, wenn beide Augen schwer sehbeeinträchtigt sind, die Fehlsichtigkeit über sechs Dioptrien beträgt oder im Falle einer Hornhautverkrümmung über vier Dioptrien. Eine gute private Krankenvollversicherung sieht Erstattungssätze von 80 bis 100% vor.

Zahnersatz und Zahnbehandlung

Die gesetzliche Krankenkasse kommt immer nur für die medizinisch notwendige Mindestversorgung auf. In der Regel trägt diese lediglich 50% der Kosten, was regelmäßig zu sehr hohen Zuzahlungen führt. Je nach Tarif, übernimmt die private Krankenversicherung die Aufwendungen für Kronen, Brücken, Implantate, Inlays und Prothesen in voller Höhe. Dies gilt auch für Wurzel-, Parodontosebehandlungen, Aufbissschienen, Zahnfüllungen und Zahnprophylaxe.

Fazit

Welche Form der Krankenversicherung für Existenzgründer die bessere Wahl darstellt, hängt vom Einzelfall an. Wer Wert auf eine bestmögliche medizinische Versorgung legt, ist mit einer privaten Krankenvollversicherung zumeist besser dran. Ein guter Tarif sieht nämlich hohe Leistungen für Zahnersatz, Zahnbehandlung, Sehhilfen, Hörgeräte, alternative Heilmethoden sowie eine Chefarztbehandlung vor. Zudem führt ein steigendes Einkommen nicht zu höheren Beitragsverpflichtungen.

Nach Möglichkeit sollte die Versicherung in jungem Alter abgeschlossen werden, wenn auch die gute gesundheitliche Situation günstige Beiträge möglich macht. Existenzgründer, die möglichst günstig sich und ihre Familienmitglieder absichern möchten, sind mit einer gesetzlichen Kasse besser bedient.
Schließlich gelten Ehe-/Lebenspartner sowie Kinder beitragsfrei mitversichert. Wer unter einer schweren Erkrankung leidet, wird es zudem schwer haben, eine bezahlbare private Krankenversicherung zu finden. Hier stellt die GKV jedoch eine gute Option dar.

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