Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige

Als Selbstständiger tragen Sie das volle unternehmerische Risiko - auch bei Berufsunfähigkeit. Anders als Angestellte haben Sie keine gesetzliche Absicherung und keine Lohnfortzahlung. Die BU-Versicherung ist für Selbstständige daher besonders wichtig und sollte absolute Priorität haben.

Warum ist die BU für Selbstständige so wichtig?

Als Selbstständiger oder Freiberufler sind Sie Ihr eigenes Unternehmen. Wenn Sie ausfallen, fällt Ihr gesamtes Einkommen weg - aber die Kosten laufen weiter. Die BU-Versicherung ist daher für Selbstständige noch wichtiger als für Angestellte.

Die besonderen Risiken für Selbstständige

Kein Arbeitgeber-Schutz

Sie haben keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Schon nach wenigen Wochen Krankheit fehlt das Einkommen komplett.

Keine gesetzliche Absicherung

Die meisten Selbstständigen haben keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Sie stehen bei Berufsunfähigkeit ohne staatliche Hilfe da.

Höhere Fixkosten

Büromiete, Krankenversicherung, Altersvorsorge, evtl. Mitarbeiter - die Fixkosten laufen weiter, auch wenn Sie nicht arbeiten können.

Unternehmerisches Risiko

Wenn Sie ausfallen, gefährden Sie möglicherweise Ihre gesamte berufliche Existenz. Kunden wandern ab, Aufträge gehen verloren.

Familie mitbetroffen

Als Selbstständiger trägt oft die ganze Familie das Risiko. Ohne BU-Schutz droht schnell der soziale Abstieg.

Keine Krankentagegeldversicherung ausreichend

Das Krankentagegeld zahlt nur bei vorübergehender Krankheit, meist maximal 1-2 Jahre. Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit hilft es nicht.

Wichtig zu wissen

Viele Selbstständige glauben, das Krankentagegeld würde ausreichen. Das ist ein gefährlicher Irrtum! Das Krankentagegeld zahlt nur bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit und meist nur für maximal 2 Jahre. Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit stehen Sie ohne BU-Versicherung ohne Einkommen da.

Keine gesetzliche Absicherung für Selbstständige

Im Gegensatz zu Angestellten haben die meisten Selbstständigen keinerlei gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Das macht die private BU-Versicherung unverzichtbar.

Vergleich: Angestellte vs. Selbstständige

Absicherung Angestellte Selbstständige
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall 6 Wochen durch Arbeitgeber Keine
Krankentagegeld Ab 7. Woche durch Krankenkasse (70% des Bruttos) Nur mit privater Zusatzversicherung
Erwerbsminderungsrente Anspruch nach 5 Jahren Beitragszeit (durchschnittlich 900 Euro) Meist kein Anspruch (nur bei Pflichtversicherung)
Rehabilitation Anspruch auf Reha-Maßnahmen Meist kein Anspruch
Bei dauerhafter BU ohne private Versicherung Ca. 900 Euro EM-Rente (oft nicht ausreichend) 0 Euro (völlig ohne Einkommen)

Als Selbstständiger stehen Sie bei Berufsunfähigkeit ohne private Absicherung völlig ohne Einkommen da!

Ausnahme: Pflichtversicherte Selbstständige

Einige Selbstständige sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und haben damit Anspruch auf Erwerbsminderungsrente:

  • Handwerker (für die ersten 18 Jahre)
  • Lehrer und Erzieher
  • Hebammen
  • Künstler und Publizisten (über die Künstlersozialkasse)

Aber auch hier gilt: Die Erwerbsminderungsrente ist meist viel zu niedrig und reicht nicht zum Leben. Eine private BU-Versicherung bleibt auch für pflichtversicherte Selbstständige unverzichtbar.

Empfohlene Rentenhöhe für Selbstständige

Selbstständige benötigen in der Regel eine höhere BU-Rente als Angestellte. Der Grund: Ihre Fixkosten sind höher und sie haben keine andere Absicherung.

Empfohlene BU-Rente: 70-85% des Nettoeinkommens

Als Faustregel gilt für Selbstständige:

  • Mindestens 70-75% des durchschnittlichen Nettoeinkommens
  • Besser 80-85%, wenn Sie hohe Fixkosten haben
  • Absolutes Minimum: So viel, dass alle Fixkosten gedeckt sind

Welche Kosten müssen gedeckt sein?

Private Kosten

  • Miete / Hypothek
  • Lebenshaltung (Essen, Kleidung, etc.)
  • Private Krankenversicherung
  • Private Altersvorsorge
  • Weitere Versicherungen
  • Kredite und Finanzierungen

Geschäftliche Kosten (falls weiterhin anfallend)

  • Büromiete
  • Laufende Verträge (Software, Telefon, etc.)
  • Mitarbeiter (falls vorhanden)
  • Steuerberater, Buchhalter
  • Geschäftliche Versicherungen

Beispielrechnung: Selbstständiger IT-Berater

Ausgangssituation

Durchschnittliches Nettoeinkommen: 4.500 Euro/Monat

Laufende Kosten im BU-Fall

Private Miete 1.200 Euro
Lebenshaltung 800 Euro
Private Krankenversicherung 450 Euro
Private Altersvorsorge 400 Euro
Weitere Kosten (Versicherungen, Auto, etc.) 500 Euro
Gesamtbedarf 3.350 Euro

Empfohlene BU-Rente: 3.500 Euro/Monat (ca. 78% des Nettoeinkommens)

Tipp: Schwankende Einkommen

Viele Selbstständige haben schwankende Einkommen. Orientieren Sie sich am Durchschnitt der letzten 3 Jahre und berücksichtigen Sie, dass Sie im BU-Fall keine außergewöhnlichen Einkommen mehr erzielen können. Sichern Sie lieber eine solide Grundversorgung ab.

Besonderheiten bei der BU für Selbstständige

1. Genaue Berufsbeschreibung wichtig

Als Selbstständiger üben Sie möglicherweise verschiedene Tätigkeiten aus. Beschreiben Sie Ihren Beruf so genau wie möglich im Antrag:

  • Was ist Ihre Haupttätigkeit?
  • Welche Tätigkeiten machen welchen Anteil Ihrer Arbeitszeit aus?
  • Arbeiten Sie körperlich oder überwiegend am Schreibtisch?

Je genauer die Beschreibung, desto besser kann im Leistungsfall beurteilt werden, ob Sie Ihren Beruf noch ausüben können.

2. Nachweis des Einkommens

Versicherer verlangen bei Selbstständigen Nachweise über das Einkommen, meist:

  • Steuerbescheide der letzten 2-3 Jahre
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA)
  • Gewinn- und Verlustrechnungen

Die maximale versicherbare BU-Rente richtet sich nach Ihrem nachweisbaren Einkommen. Bei Existenzgründern kann es schwierig sein, eine hohe BU-Rente zu versichern.

3. Existenzgründer und Berufseinsteiger

Als Existenzgründer haben Sie oft noch kein hohes Einkommen. Trotzdem sollten Sie nicht auf die BU verzichten:

Strategie für Existenzgründer

  1. Schließen Sie mit einer kleinen BU-Rente ab (z.B. 1.000-1.500 Euro), die Sie sich leisten können
  2. Achten Sie unbedingt auf eine Nachversicherungsgarantie
  3. Erhöhen Sie die BU-Rente später ohne Gesundheitsprüfung, wenn Ihr Einkommen steigt

So sichern Sie sich günstige Konditionen in jungen Jahren und können flexibel aufstocken!

4. Krankentagegeld als Ergänzung

Viele Selbstständige haben ein Krankentagegeld. Das ist gut und wichtig - aber kein Ersatz für die BU!

Kriterium Krankentagegeld BU-Versicherung
Leistung ab Nach Wartezeit (z.B. 6 Wochen) Nach 6 Monaten Berufsunfähigkeit
Leistungsdauer Meist maximal 1-2 Jahre Bis Ende der Vertragslaufzeit (z.B. bis 67)
Voraussetzung Arbeitsunfähigkeit (100%) Berufsunfähigkeit (mind. 50%)
Zweck Überbrückung bei kurzer Krankheit Absicherung bei dauerhafter BU

Fazit: Krankentagegeld und BU ergänzen sich perfekt. Das Krankentagegeld überbrückt kurze Ausfälle, die BU sichert Sie bei dauerhafter Berufsunfähigkeit ab.

5. Verzicht auf abstrakte Verweisung besonders wichtig

Für Selbstständige ist der Verzicht auf abstrakte Verweisung noch wichtiger als für Angestellte. Als Selbstständiger haben Sie sich oft eine hochspezialisierte Expertise aufgebaut. Ohne diese Klausel könnte der Versicherer Sie auf einfachere Tätigkeiten verweisen.

Beispiel

Ein selbstständiger Architekt entwickelt eine Augenkrankheit und kann nicht mehr am Computer arbeiten. Ohne Verzicht auf abstrakte Verweisung könnte der Versicherer argumentieren: "Sie könnten doch noch als Baustellenkoordinator arbeiten." Mit der Klausel erhält er seine BU-Rente, weil er seinen Beruf als Architekt nicht mehr ausüben kann.

Typische Kosten für Selbstständige

Die Kosten der BU-Versicherung hängen vor allem von Ihrem Beruf ab - nicht davon, ob Sie selbstständig oder angestellt sind. Entscheidend ist die Risikogruppe Ihrer Tätigkeit.

Beispiele für Selbstständige

Beispiel 1: Selbstständiger IT-Berater

Alter 32 Jahre
Beruf IT-Berater (Risikogruppe 1)
BU-Rente 2.500 Euro/Monat
Laufzeit Bis 67 Jahre
Monatlicher Beitrag 90-130 Euro

Beispiel 2: Selbstständiger Physiotherapeut

Alter 30 Jahre
Beruf Physiotherapeut (Risikogruppe 2-3)
BU-Rente 2.000 Euro/Monat
Laufzeit Bis 65 Jahre
Monatlicher Beitrag 110-160 Euro

Beispiel 3: Selbstständiger Handwerksmeister (Elektrotechnik)

Alter 35 Jahre
Beruf Elektrotechnik-Meister (Risikogruppe 3)
BU-Rente 2.500 Euro/Monat
Laufzeit Bis 65 Jahre
Monatlicher Beitrag 180-250 Euro

Mehr Details zu BU-Kosten finden Sie auf unserer Seite BU Kosten.

Steuerliche Absetzbarkeit

Selbstständige können die BU-Beiträge als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzen. Die Höchstgrenzen liegen bei 2.800 Euro pro Jahr (für Selbstständige). In diese Grenze fallen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Video: BU-Versicherung für Selbstständige

YouTube-Video wird hier eingebettet

Thema: "Warum Selbstständige eine BU-Versicherung brauchen"

Häufig gestellte Fragen zur BU für Selbstständige

Selbstständige haben keinerlei gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Sie erhalten keine Erwerbsminderungsrente, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keinen Arbeitgeber, der sie auffängt. Wenn Sie als Selbstständiger nicht arbeiten können, fällt Ihr gesamtes Einkommen weg - während die Kosten weiterlaufen (Krankenversicherung, Altersvorsorge, evtl. Büromiete). Eine BU-Versicherung ist daher für Selbstständige absolut unverzichtbar.

Für Selbstständige wird eine BU-Rente von 70-85% des durchschnittlichen Nettoeinkommens empfohlen. Selbstständige haben oft höhere Fixkosten als Angestellte (z.B. Büromiete, private Krankenversicherung, Altersvorsorge). Die BU-Rente sollte ausreichen, um alle laufenden Kosten zu decken und den Lebensstandard zu erhalten. Rechnen Sie Ihre konkreten monatlichen Kosten durch!

Das hängt vom Beruf ab, nicht vom Anstellungsverhältnis. Ein selbstständiger IT-Berater zahlt oft weniger als ein angestellter Handwerker. Entscheidend ist die Risikogruppe des Berufs. Allerdings benötigen Selbstständige meist eine höhere BU-Rente (wegen höherer Fixkosten), wodurch der Gesamtbeitrag höher ausfällt. Die Kosten variieren stark je nach Tätigkeit.

Ja, das ist sogar besonders wichtig! Als Existenzgründer haben Sie oft noch kein hohes Einkommen. Strategie: Schließen Sie mit einer kleinen BU-Rente ab (z.B. 1.000-1.500 Euro) und achten Sie auf eine Nachversicherungsgarantie. Später können Sie die Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, wenn Ihr Einkommen steigt. So sichern Sie sich günstige Konditionen und bleiben flexibel!

Nein! Das Krankentagegeld ist wichtig für kurze Ausfälle, aber kein Ersatz für die BU. Das Krankentagegeld zahlt nur bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit und meist maximal 1-2 Jahre. Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit endet die Zahlung - dann stehen Sie ohne BU-Versicherung ohne Einkommen da. Krankentagegeld und BU sollten sich ergänzen.

Sie müssen den Versicherer über einen Berufswechsel informieren. Je nachdem, ob das neue Risiko höher oder niedriger ist, kann sich der Beitrag ändern. Wichtig: Wechseln Sie in einen risikoreicheren Beruf, kann der Versicherer den Beitrag erhöhen. Wechseln Sie in einen risikoärmeren Beruf, können Sie eine Beitragssenkung beantragen. Prüfen Sie die Vertragsbedingungen genau!

Ja, Selbstständige können die BU-Beiträge als Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend machen. Die Höchstgrenze liegt bei 2.800 Euro pro Jahr für Selbstständige. Beachten Sie: In diese Grenze fallen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, sodass oft wenig Spielraum für die BU bleibt. Die tatsächliche Steuerersparnis ist daher meist begrenzt.

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