Welche Krankenversicherung für Selbstständige mit Familie

Selbstständige haben allerdings die Qual der Wahl: Wollen sie sich in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichern oder vertrauen sie auf eine der privaten Krankenversicherungen? Schon allein wäre diese Entscheidung schwierig genug, noch komplizierter wird es mit einer Familie. Für die richtige Wahl ist die individuelle Situation und Lebensplanung entscheidend!




Die Vorteile der GKV für einen Selbstständigen mit Familie

Der größte Vorteil für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung ist der sogenannte „Familientarif“ bzw. die „Familienversicherung„. Ehepartner, die maximal 445 Euro bzw. 450 Euro monatlich über einen Minijob verdienen, können kostenfrei mitversichert werden. Dies gilt ebenfalls für alle Kinder, die das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und nicht erwerbstätig sind. Befindet sich der Nachwuchs noch in der Hochschul- oder Berufsausbildung, wird die Grenze auf die Vollendung des 25. Lebensjahres hinausgeschoben. Wird die Versicherung des Kindes unterbrochen, beispielsweise durch ein freiwilliges soziales Jahr, so wird die Fehlzeit nachgeholt.

Ein weiterer Vorteil ist die vergleichbar kalkulierbare finanzielle Belastung. Eigentlich werden die Beiträge über die Höhe der Einkünfte berechnet. Aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze liegt der Maximalbeitrag bei 662,48 Euro pro Monat zuzüglich Zusatzbeitrag. Die meisten Versicherten zahlen allerdings deutlich weniger:
Die bisherige Regelung für Härtefälle und Existenzgründer wurde im Januar 2019 gestrichen. Von nun an gilt eine einheitliche Mindestbemessungsgrenze von 1038,33 Euro pro Monat. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach wie vor nach den beitragspflichtigen Einnahmen. Davon werden rund 14,6%, je nach Krankenkasse, als Beitrag zuzüglich Zusatzbeitrag berechnet. Der monatliche Mindestbetrag beläuft sich (Stand 2019) auf 151,60 Euro. Unabhängig davon, ob man als Selbstständiger tatsächlich mindestens 1038 Euro verdient oder weniger.


Hinweis: Stiefkinder und Pflegekinder können ebenfalls kostenlos in der GKV über die Familienversicherung aufgenommen werden. Gleiches gilt für Enkelkinder, die von ihren Großeltern unterhalten werden.

Die Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

Vater mit Tochter
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Die kostenfreie Mitversicherung der Kinder kann aufgehoben werden, wenn einer der Ehepartner bzw. Mitglieder in einer eheähnlichen Gemeinschaft privat versichert ist und mindestens 5062,50 Euro brutto (Stand: 2019) pro Monat verdient. Darüber hinaus ist eine Versicherung in der GKV für Selbstständige überhaupt nur möglich, wenn die Bedingungen der sogenannten „Vorversicherung“ erfüllt wurden. Man muss mindestens 24 Monate Mitglied in der GKV in den vergangenen 5 Jahren gewesen sein und wenigstens zwölf Monate am Stück vor der Weiterversicherung als Selbstständiger entsprechend versichert gewesen sein.

Wer später aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln möchte, darf dies zudem nur tun, wenn er höchstens 55 Jahre alt ist und die jährlichen Gewinne die Versicherungspflichtgrenze von 60.750 Euro nicht übersteigen. Umgekehrt ist der Wechsel hingegen jederzeit problemlos möglich.

Darüber hinaus bauen die GKV keine Altersrückstände wie die PKV auf, um auch im Rentenalter erstklassige medizinische Versorgung zu stabilen Beiträgen zu gewährleisten. Es drohen Zuzahlungen, erhöhte Beiträge oder Leistungskürzungen.

Grundsätzlicher Nachteil ist der hohe bürokratische Aufwand: Gehälter müssen regelmäßig nachgewiesen werden. Die Bearbeitungszeiten können sich zudem ziehen.

Die Vorteile der PKV für Selbstständige mit Familie

Schutz der Familie
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Der größte Vorteil der privaten Krankenversicherung für Selbstständige ist, dass die Versicherungen die Beiträge nicht nach Gehalt, sondern nach Alter und Gesundheit einstufen. Zudem kann man die Leistungen individuell einstellen lassen. Sehr günstige Tarife lassen sich so erzeugen, die deutlich unter dem liegen, was in der GKV zu zahlen ist. Läuft es im eigenen Unternehmen besser, kann man die Leistungen und Beiträge anpassen lassen. Für die eigene Familie gibt es zudem häufig spezielle „Mitversicherungsangebote“ wie beispielsweise 50% Ermäßigungen für Ehepartner.

Dadurch, dass Altersrückstände aufgebaut werden, bleibt die medizinische Versorgung auch im Rentenalter bezahlbar und erstklassig. Bei vielen Ärzten werden privat Versicherte zudem insgesamt bevorzugt behandelt und erhalten schnellere Termine sowie eine breitere Versorgung. Die meisten privaten Krankenversicherungen übernehmen beispielsweise auch die Kosten für Heilpraktiker-Therapien, die von den GKV nicht übernommen werden.

Um sicherzugehen, dass Selbstständige, die sich in der PKV versichern müssen, nicht deutlich zu viel bezahlen, hat der Gesetzgeber im Jahr 2009 die „Basistarife“ eingeführt. Diese müssen mindestens die Leistungen der GKV-Tarife bieten. Viele private Versicherungen offerieren jedoch deutlich mehr.

Die Nachteile der privaten Krankenversicherung

Mutter mit Kinderwagen
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Nur Junge und Gesunde bezahlen wirklich deutlich weniger als in der GKV. Der Höchstbetrag im Basistarif beträgt nur für den Selbstständigen beispielsweise 662,48 Euro (Stand: 2019). Kommen noch Ehepartner und Kinder hinzu, fällt der Betrag wesentlich höher aus. (Allerdings greift eine Sozialklausel: Wer nach Zahlung des Basistarifs nur noch so wenig Geld in der Tasche hat, dass er Anspruch auf ALG II hätte, kann die PKV dazu zwingen, den Beitrag um 50% zu reduzieren.)

Darüber hinaus gibt es keine Beitragsstabilität wie in der GKV. Bei vielen privaten Krankenversicherungen haben sich Tarife zum Jahreswechsel um zehn, elf oder noch mehr Prozent verteuert. Ein Tarifwechsel ist zwar möglich, aber das Leistungspaket verändert sich damit ebenfalls.

Im Falle, dass der Selbstständige scheitert und auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen ist, übernimmt das Amt zudem nur einen Teil der Kosten. Ein Teil des Beitrags bleibt beim gescheiterten Selbstständigen. Medikamente müssen zudem zumeist aus eigener Tasche vorgestreckt werden, was zur erheblichen Belastung werden kann.

Fazit: Großfamilien und Geringverdiener fahren mit der GKV besser

Grundsätzlich gilt: Je größer die Familie des Selbstständigen ist, desto besser ist die gesetzliche Krankenversicherung geeignet. Die PKV kann ab drei Kindern die Familienversicherung nicht mehr schlagen. Gesunde und junge Drei-Personen-Familien, die von einem erfolgreichen Selbstständigen getragen werden, fahren mit einer privaten Krankenversicherung besser. Bei Vier-Personen-Familien muss man rechnen und abwägen.

Aktualisiert: 19.06.2019