Freiwillige Krankenversicherung für Gründer sinnvoll?

Gründer haben bei der Krankenversicherung die freie Wahl. Wer sich selbstständig macht, kann sich gesetzlich oder privat versichern. Viele Gründer entscheiden sich für die zweite Variante, da sie mehr Leistungen bietet. Tatsächlich kann die sogenannte freiwillige (gesetzliche) Krankenversicherung oft besser sein.


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„Freiwillig“ bedeutet gesetzlich versichert: Der Hintergrund des missverständlichen Begriffs

Zu Beginn sei kurz die Benennung der gesetzlichen Krankenversicherung für Gründer als „freiwillig“ erläutert. Der Name ist etwas missverständlich, da Gründer ja ebenfalls in einer Privatversicherung freiwillig Mitglied werden würden. Diese Vokabel wurde ausgewählt, weil es eine gesetzliche Versicherungspflicht für weite Teile der Bevölkerung in einer gesetzlichen Krankenversicherung gibt. Die meisten Arbeitnehmer müssen sich hier versichern.

Eine gesetzliche Absicherung wird bei einem Gründer deshalb erstens als „freiwillig“ bezeichnet, um deutlich zu machen, dass für ihn diese Pflicht nicht greift. Zweitens zeigt der Ausdruck, dass der Gründer freiwillig den Gesamtbetrag der monatlichen Prämie bezahlt. Arbeitnehmer erhalten im Gegenzug für ihre Pflichtversicherung die Hälfte des Betrags vom Arbeitgeber – eine solche Entlastung hat der Gründer nicht, weshalb er der vollen Belastung freiwillig zustimmen muss.

Finanziell kann die freiwillige Versicherung für Gründer Sinn machen

Der größte Vorteil, den die gesetzlichen Krankenkassen für Gründer im Vergleich mit einer privaten Kasse bietet, ist die Berechnung der Höhe der monatlichen Prämie. Private Krankenversicherung richten sich anders als die gesetzlichen Kassen nicht nach den Einkünften, sondern gehen nach Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Art der Tätigkeit. Bei den gesetzlichen Krankenkassen zählt hingegen nur die Einkommenshöhe.

Die Berechnungsgrundlage hierfür wurde zum Jahr 2019 zum Vorteil vieler Gründer geändert. Wer einen Jahresumsatz von weniger als 17.500 Euro hat, zahlt beispielsweise nur etwa 140 Euro monatlich. Damit kann keine Privatversicheurng konkurrieren. Erst, wenn die Umsätze und Gewinne deutlich steigen, würde sich der Wechsel finanziell für einen Gründer lohnen.

Keine Altersrückstellungen und Beitragsstabilität

IT Gründer
© deagreez / Adobe Stock
Mitglieder einer privaten Krankenversicherung müssen jeden Monat einen gewissen Aufschlag als Altersrückstellungen zahlen. Diese Gelder dienen dazu, die Beiträge später relativ stabil zu halten. Dies gelingt allerdings mehr schlecht als recht.

Die Beitragsstabilität in den gesetzlichen Krankenversicherung ist schon insgesamt deutlich besser – aber insbesondere im Alter, da die gezahlten Rückstellungen nicht reichen. Wer zudem die Kasse wechseln möchte, hat große Probleme, die Altersrückstellungen mitzunehmen. Oft ist dieses Geld verloren.

Insbesondere für ältere Gründer ist die freiwillige Krankenversicherung deshalb deutlich besser:

      • Relativ stabile Beiträge
      • Durch die bisher nicht gezahlten Altersrückstellungen wären die Prämien in einer privaten Versicherung extrem hoch
      • Erkrankungen haben keinen Einfluss auf die Beitragshöhe
      • Alle notwendigen medizinischen Leistungen werden übernommen

Weiterhin: Anders als in einer privaten Krankenversicherung muss der Gründer in einer gesetzlichen Krankenkassen nicht in Vorleistung für Medikamente gehen. Diese Ausgaben können in der Anfangsphase besonders problematisch wiegen. Doppelt schwierig sind die Vorleistungen für ältere Gründer, die aufgrund ihrer höheren Zahl an Lebensjahren mehr Medikamente benötigen

Familienversicherung als zusätzliches Plus

Gründer mit einer Familie profitieren durch freiwillige Krankenversicherung erheblich mehr als durch die private. Kinder und Ehepartner (wenn diese nicht selbst arbeiten) können kostenlos mitversichert werden. In einer privaten Versicherung ist dies nicht möglich. Hier müsste eine entsprechende Police für jedes Familienmitglied abgeschlossen werden. Dies würde eine erhebliche Mehrbelastung bedeuten.

Über die freiwillige Krankenversicherung maßgeschneiderten Schutz erhalten

Als Argument für die private Krankenversicherung wird stets das Mehr an Leistungen angeführt. Tatsächlich reicht das Angebot vieler Kassen aber deutlich über das hinaus, was ihre Versicherten wirklich brauchen würden. Nicht jedes Mitglied möchte zum Heilpraktiker oder homöopathische Mittel einnehmen. Ihnen würde ein Schutz für die Zähne, die Brille und eine Garantie auf ein Einzelzimmer im Krankenhaus reichen.
Tatsächlich zahlen solche Versicherte über die Prämien also für Leistungen, die für sie nicht infrage kommen. Ein Stück weit lässt sich dieses Problem durch die unterschiedlichen Tarife der privaten Kassen abfedern, aber eben nicht komplett.

Gerade für Gründer, die in jedem Bereich nur das zahlen sollten, was sie auch wirklich brauchen, ist deshalb ein anderer Ansatz vorteilhafter. Für sie lohnt es sich wesentlich mehr, eine freiwillige Krankenversicherung um ein paar private Zusatzpolicen anzureichern. Sie können sich auf diese Weise den Gesundheitsschutz maßschneidern, den sie wirklich benötigen.

Fazit: Es kommt auf die individuelle Lebenssituation an

Abschließend lässt sich festhalten, dass es bei der Wahl zwischen der privaten und der freiwilligen Krankenversicherung für die Gründer auf die individuelle Lebenssituation ankommt. Wer alleinstehend, jung und gesund ist, beispielsweise bislang in einer High Tech-Branche als hochqualifizierte Fachkraft gearbeitet hat, sich nun selbständig macht und zahlreiche Kunden mitnimmt, fährt in der Privatversicherung besser. Wer eine Familie hat, mit Vorerkrankungen kämpft, älter ist und/ oder erst einen Kundenstamm aufbauen muss, sollte sich freiwillig gesetzlich krankenversichern.