Freiberufler: PKV oder GKV (mit privater Zusatzversicherung)?

Selbständig tätige Freiberufler haben den Vorteil, auf Wunsch in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln zu können. Dennoch bietet die gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einige Vorteile und läßt zudem sich durch eine private Zusatzversicherung hinsichtlich der Leistung auf interessante Weise ergänzen.


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Gerade zu Anfang eine schwierige Entscheidung

Der Eintritt in die private Krankenversicherung bietet nicht ausschließlich Vorteile. Umgekehrt macht es in vielen Fällen wenig Sinn, trotz Wechsels in die Selbständigkeit freiwillig in der GKV zu verbleiben. Vielmehr sind es vor allem die persönlichen Umstände im Einzelfall, welche darüber entscheiden, welche Versicherungsart die passende ist.

Freiberufler üben in der Regel Berufe mit einem hohen Konkurrenzdruck aus. Denn regelmäßig gibt es bereits mehrere ähnliche Anbieter im unmittelbaren Umfeld. Entsprechend unsicher gestalten sich oftmals die Einkommensverhältnisse von frisch startenden Architekten, Anwälten oder und Ärzten.

Für eine PKV sind diese Zahlen nicht von Bedeutung. Die Einstufung im Rahmen der Tarife erfolgt ausschließlich nach dem Lebensalter und dem körperlichen Zustand des Antragsstellers.

Anders verhält es sich bei der GKV. Deren Beiträge richten nach auf dem zur Verfügung stehenden Einkommen des Versicherten. Insofern bewegen sich die Beiträge jeweils im Bereich des wirtschaftlich Möglichen und konjunkturelle Schwankungen treffen den Versicherten weniger hart.

Umgekehrt hat man als Freiberufler in der Gründungsphase meist nur begrenzte Reserven. Kommt dann eine schwerwiegende Krankheit dazwischen, steht die Unternehmung oft schnell vor dem Aus. Hier kann eine Krankentagegeldversicherung weiterhelfen, welche zusätzlich im Rahmen einer privaten Krankenversicherung abgeschlossen werden kann. Diese fungiert als eine Art „Lohnfortzahlung“ im Krankheitsfall und hilft dabei, schwere Phasen zu überbrücken. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird ein Krankengeld dagegen nur gezahlt, wenn die Krankheit länger als sechs Wochen anhält. Dann ist es in vielen Fällen allerdings schon zu spät.

Bei der Wahl zwischen der PKV und der GKV  sollten Freiberufler gerade zu Beginn Ihrer Laufbahn also besonders die Stabilität ihrer Einkünfte und das einige Krankheitsrisikos so gut wie möglich einfließen lassen.

PKV im Überblick

Der größte Vorteil von den privaten gegenüber gesetzlichen Krankenversicherungen ist Freiberulfer wohl, dass im Rahmen der PKV Leistungen in sehr viel größerem Umfang abgedeckt werden können. Während die Behandlung durch den Chefarzt im Krankenhaus für Kassenpatienten meist eine seltene Ausnahme darstellt, haben privat Versicherte die Möglichkeit, eine solche Behandlung in ihrem Versicherungsvertrag mit abdecken zu lassen. Da der Chefarzt in diesem Fall höhere Sätze abrechnen kann, erfolgt auch die Behandlung vielfach deutlich zuvorkommender. Auch im Rahmen der Unterbringung im Krankenhaus besteht die Möglichkeit, die fälligen Zuschläge für ein Einzelzimmer durch die Versicherung abzudecken. Gleiches gilt beim Thema Zahnersatz. Während bei der GKV nur bestimmte feste Sätze pro Zahn gezahlt werden, kann im Rahmen einer privaten Krankenversicherung ein Rundumschutz in Sachen Zahngesundheit vereinbart werden.

Außerdem wird sich in vielen Arztpraxen darum bemüht, die Wartezeiten für Privatpatienten möglichst gering zu halten. Gerade als Freiberufler bedeutet Zeit tatsächlich vielfach Geld. Deshalb ist es auch insoweit eine Überlegung wert, die höheren Kosten einer privaten Krankenversicherung zugunsten von weniger Zeitverlusten im Krankheitsfall in Kauf zu nehmen.

Allerdings sind alle diese zusätzlichen Leistungen mit entsprechend erhöhten monatlichen Versicherungsbeiträgen verknüpft. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach dem jeweiligen Einkommen der oder des Versicherten, sondern nach dessen Lebensalter sowie dem bei Eintritt in die Versicherung vorliegenden Gesundheitszustand. Insofern macht es vor Abschluss eines Vertrages Sinn, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, welche zusätzlichen Leistungen über die Grundleistungen hinaus im eigenen Fall Sinn machen.

GKV im Überblick

Während der Vorteil der PKV vor allem auf einer umfassenden Versorgung beruht, liegen die Vorteile der GKV in einer deutlich umfassenderen Absicherung des familiären Umfeldes des Versicherten. Während nämlich bei der PKV für jede zu versichernde Person ein eigener Vertrag abgeschlossen werden muss, sind bei der GKV der nicht arbeitende Ehepartner sowie sämtliche Kinder mit krankenversichert. Insofern genügt es für Freiberufler mit Familie nicht, lediglich die Tarife für die eigene Krankenversicherung miteinander zu vergleichen. Vielmehr müssen von den privaten Krankenversicherungen auch Angebote für die mit zu versichernden Ehepartner sowie für jedes einzelne Kind eingeholt werden. Da für die anteilige Beitragsbemessung am jeweiligen Einkommen eine Kappungsgrenze besteht, steht man als Freiberufler mit mehreren Kinder im Rahmen einer freiwilligen Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenkassen finanziell oftmals besser da als bei Abschluss mehrerer Privat-Tarife.

GKV verzeiht gesundliche Mankos, aber…

Noch weiter geht diese Schere dann auseinander, wenn bestimmte gesundheitliche Mankos bereits vor Eintritt in die Selbständigkeit als Freiberufler bestehen. Chronische Krankheiten wie Asthma, Gelenkschäden und andere erhöhte Gesundheitsrisiken lassen sich private Krankenversicherungen mit hohen Aufschlägen auf die monatlichen Beiträge entsprechend vergüten. Am Satz der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge ändert es dagegen nichts, wie alt man bei Eintritt in die Versicherung ist oder welche gesundheitlichen Probleme bereits vorliegen.

Im Übrigen macht es in diesem Zusammenhang keinen Sinn, bestehende Gesundheitsprobleme gegenüber der privaten Krankenversicherung zu verschweigen um niedrigere Beiträge zu zahlen. Denn wenn es zu weiteren Komplikationen kommt und sich nachträglich herausstellt, dass große Teile des Innenmeniskus im rechten Knie bereits vor Vertragsabschluss entfernt waren, hat die PKV die Möglichkeit, den Vertrag wegen arglistiger Täuschung umgehend zu beenden. Da derartige Fälle in der Regel außerdem in Datenbanken eingespeist werden, ist auch der Abschluss einer privaten Krankenversicherung bei einem anderen Versicherer dann in der Regel nicht mehr möglich.

….die PKV bietet bessere Leistugen

Umgekehrt kann es gerade für chronisch Kranke in besonderem Maße Sinn machen, eine private Krankenversicherung abzuschließen. Gerade im Rahmen von Allergieerkrankungen gibt es inzwischen eine Reihe alternativer Heilmethoden von Homöopathie bis hin zu Akupunktur, welche zum Teil erstaunliche Verbesserungen der Gesundheit und des persönlichen Wohlbefindens der Betroffenen zur Folge haben. Die Kosten für solche Therapien werden allerdings in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen.

Bei einer PKV können dagegen derartige Leistungen ausdrücklich mit abgedeckt werden. Außerdem verweisen gesetzliche Krankenkassen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten oftmals auf günstigere ähnliche Präparate. Nicht immer aber werden diese Alternativen von den betroffenen Patienten gleich gut vertragen. Auch in diesem Zusammenhang bieten Privatversicherungen deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten für die verschreibenden Ärzte.

Wie stellen die Kosten für Freiberufler dar?

Im Rahmen des freiwilligen Eintritts in die GKV als Freiberufler werden unabhängig vom Alter oder Gesundheitszustand jeweils 15,5% des jeweiligen Einkommens als Beitrag fällig. Insofern lassen sich die Sätze relativ einfach berechnen. Bei einem monatlichen Einkommen von 2.000 Euro werden demnach 157,33 Euro fällig und bei 3.000 Euro entsprechend 239, 33 Euro.

Demgegenüber bleibt die monatliche Belastung durch Beiträge für Freiberufler bei der privaten Krankenversicherung statisch. Genaue Aussagen darüber, welche Kosten genau auf den Versicherten zukommen lassen sich nicht treffen. Für einen Dreißigjährigen werden im Rahmen der Basisabsicherung allerdings mindestens 200 Euro fällig. Die genaue Höhe richtet sich dabei nicht nur nach dem Lebensalter und dem Gesundheitszustand sondern auch nach der Höhe der Selbstbeteiligung. Je höher diese ausfällt, desto mehr sinken auch die monatlichen Prämien. Insofern macht es Sinn, sich zunächst darüber klar zu werden, welche Leistungen man im Krankheitsfall in Anspruch nehmen möchte, welche Eigenbeteiligung wirtschaftlich Sinn macht um sich dann anhand der persönlichen Daten im Rahmen eines Angebotvergleichs der verschiedenen Versicherer einen ersten Überblick über die möglichen Kosten zu verschaffen. Diese können dann mit den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung in Relation gesetzt werden.

Die Lösung? GKV + private Zusatzversicherung

GKV + Zusatzversicherung
© olly / Fotolia

Wie gezeigt haben sowohl die PKV als auch die GKV für Freiberufler ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Einige der Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung lassen sich allerdings auf einfache Weise durch eine private Zusatzversicherung ausgleichen. Denn die Privatversicherungen bieten ihre Zusatzleistungen nicht nur als zusätzliche Module für ihre eigenen Kunden an, sondern offerieren diese in Form von privaten Zusatzversicherungen auch Kassenpatienten.

Wie beim Abschluss eines privaten Versicherungsvertrages können auch bei der Zusatzversicherung Freiberufler genau die zusätzlichen Leistungen aufgenommen werden, die für sie besonders wichtig sind. Neben Zahnkostenversicherungen geht es dabei vor allem um die Unterbringung im Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer im Krankenaus sowie um die Möglichkeit der Chefarztbehandlung.

Allerdings müssen auch solche Zusatzversicherungen für jede Person einzeln vereinbart werden. In jedem Fall ist diese Variante eine Überlegung wert. Denn ob man im Wartezimmer eines Facharztes länger warten muss als ein Privatpatient ist weniger entscheidend als eine möglichst qualifizierte Behandlung, wenn der Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig wird – auch und vor allem dann, wenn es wirklich ernst wird und die eigenen Kinder betrifft. Insofern lohnt es sich in jedem Fall, dem Thema Krankenversicherung ein größeres Maß an Zeit für eine genaue Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten zu opfern.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Die gesetzliche Krankenversicherung

Vorteile:

  • Automatische Anpassung der Beiträge an das eigene Einkommen
  • Nicht arbeitende Ehepartner und eigene Kinder sind automatisch und ohne Zusatzkosten mitversichert
  • Keine größeren Kosten bei Eintritt in höherem Alter

Nachteile:

  • Geringerer Leistungsumfang gegenüber der PKV
  • Krankengeld erst ab der siebten Krankheitswoche

Die private Krankenversicherung

Vorteile:

  • Wesentlich umfangreichere Leistungen (Chefarztbehandlung, Unterbringung, spezielle Medikamente)
  • Krankentagegeld ab dem ersten Tag der Krankheit möglich
  • Vielfach zuvorkommendere Behandlung im Gesundheitswesen

Nachteile:

  • Keine Anpassung der Beiträge an die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
  • Familienmitglieder müssen alle einzeln versichert werden.