Ist der Baustein der PKV „Beitragsentlastung im Alter“ sinnvoll?

Um den steigenden Beiträgen im Alter entgegen zu wirken bieten viele private Krankenversicherungen einen Tarif-Baustein zur „Beitragsentlastung im Alter“ an. Durch Zusatzzahlungen in jungen Jahren, sollen spätere Beitragserhöhungen abgefangen werden. Ob diese Rechnung aufgeht und wie sinnvoll dieser Baustein ist, ist jedoch von der individuellen Situation abhängig.

Im Alter: Steigende Beiträge bei sinkendem Einkommen

Wird eine private Krankenversicherung in jungen Jahren abgeschlossen, liegen die Beiträge oft unterhalb der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Je älter die privatversicherten Personen werden, umso weiter steigen die Beiträge der PKV an. Die Gründe für die Beitragssteigerung im Alter liegen vor allem im demografischen Wandel. Die regelmäßige Anhebung der PKV-Beiträge in allen Altersgruppen wird mit den erhöhten Kosten durch immer innovativere Behandlungsmethoden begründet. Ab ungefähr dem 50. Lebensjahr wird ein deutlich höherer Versorgungsaufwand bei gleichzeitig höherer Lebenserwartung kalkuliert. Dies führt zum Ansteigen der Beiträge im zweistelligen Prozentbereich.




Besonders drastisch machen sich die höheren Beiträge zur privaten Krankenversicherung ab dem Renteneintritt durch das geringere Einkommen bemerkbar. Denn bei steigender finanzieller Belastung durch die Versicherungsbeiträge sinkt das verfügbare Einkommen durch den Renteneintritt. Konnten die Beitragserhöhungen bis zu 40% vor dem Rentenalter eben noch aufgefangen werden, ist dies für viele nun unmöglich. Ein Weg, um diese Belastung zu reduzieren, ist ein spezieller Zusatztarif der PKV zur „Beitragsentlastung im Alter“.

Der Tarif-Baustein im Überblick

Der Spezialtarif zur Beitragsentlastung im Alter hat das Ziel, durch frühzeitiges Ansparen die Beiträge zur privaten Krankenversicherung ab dem Renteneintritt zu reduzieren. Für diesen Zweck wird ein spezieller Tarif-Baustein abgeschlossen, in dem die monatliche Beitragsentlastung definiert wird. Ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses wird ein vereinbarter monatlicher Betrag einbezahlt. Daraus ergibt sich bis zum 67. Lebensjahr eine Ansparsumme, aus der die Beitragsentlastung bezahlt wird.

Die Beitragsentlastung des Tarifes wird ab dem 67. Lebensjahr wirksam. Sie müssen jedoch beachten, dass es sich beim Abschluss dieses Zusatzbausteins um einen lebenslänglich wirksamen Vertrag handelt. Dies bedeutet, dass der monatliche Beitrag  lebenslang zu leisten ist. Die Einzahlung endet nicht mit Eintritt der Leistungspflicht durch die Versicherung.

Beispielrechnungen: Ist die „Beitragsentlastung im Alter“ wirklich eine Entlastung?

Das nachfolgende Beispiel mit Wirksamkeit ab dem 67. Lebensjahr zeigt die angebotene monatliche Entlastung, den bis zum Lebensende zahlbaren Monatsbeitrag und die ab Leistungseintritt tatsächliche monatliche Ersparnis auf.

  • Tarif 01 Entlastung EUR 100,00 – Beitrag EUR 33,60 = tatsächliche Entlastung EUR 66,40
  • Tarif 02 Entlastung EUR 200,00 – Beitrag EUR 67,20 = tatsächliche Entlastung EUR 132,80
  • Tarif 03 Entlastung EUR 300,00 – Beitrag EUR 100,80 = tatsächliche Entlastung EUR 199,20

Wurde der Tarif mit 40 Jahren abgeschlossen, ergeben sich in einem Zeitraum von 27 Jahren (324 Monate) folgende Ansparsummen ohne Verzinsungen.

  • Tarif 01 EUR 10.886,40
  • Tarif 02 EUR 21.772,80
  • Tarif 03 EUR 32.659,20

Werden die vor dem Renteneintritt monatlich bezahlten Beiträge zusätzlich berücksichtigt, reduziert sich die tatsächliche Entlastung bis zum Alter von 87 Jahren nochmals.

  • Tarif 01 Entlastung lt. Tarif EUR 100,00, tatsächliche Entlastung EUR 21,04
  • Tarif 02 Entlastung lt. Tarif EUR 200,00, tatsächliche Entlastung EUR 42,10
  • Tarif 03 Entlastung lt. Tarif EUR 300,00, tatsächliche Entlastung EUR 63,00

Vorteile und Nachteile der Beitragsentlastung

Vorteile und Nachteile
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Durch die steuerliche Absetzbarkeit können die Kosten für den Zusatztarif reduziert werden. Eine wirkungsvolle Entlastung bietet der Tarif zur „Beitragsentlastung im Alter“ innerhalb einer privaten Krankenversicherung dann, wenn ein Teil der Kosten vom Arbeitgeber bezuschusst wird. Befinden Sie sich in der finanziellen Position, in jüngeren Jahren eine höhere finanzielle Belastung für die Krankenversicherung zu tragen, bietet eine Komplettentlastung Planungsfreiheit im Alter.

Nachteilig anzusehen ist die geringe Verzinsung des einbezahlten Kapitals. Bei einem Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung oder zu einer anderen Versicherungsgesellschaft verfallen die einbezahlten Beiträge.

Im Todesfall kommt es nicht zur Auszahlung bereits einbezahlter Beiträge. Schließen Sie zum Beispiel mit 40 Jahren eine Beitragsentlastung ab und versterben kurz vor dem Renteneintritt, werden die angesparten Beiträge nicht an die Erben rückerstattet. Bei einer hohen Entlastung kann es sich wie im Tarifbeispiel Tarif 03 um mehr als 30.000,00 Euro handeln.

Fazit: sinnvoll für eine kleine Zielgruppe

Die Grundvoraussetzung für die Entscheidung, den Tarif-Baustein zur „Beitragsentlastung im Alter“ abzuschließen, ist die Sicherheit, dass Sie bis zum Lebensende in der privaten Krankenversicherung bleiben. Mit einem Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung erlischt der Anspruch auf die Entlastung und die bisher einbezahlten Beiträge. Befinden Sie sich im Angestelltenverhältnis und der Arbeitgeber ist zur teilweisen Kostenübernahme verpflichtet, kann der Abschluss eines Tarifs für Sie finanzielle Vorteile bringen.

Ein Argument für den Abschluss dieses Tarifs ist die Planbarkeit, wenn eine komplette Entlastung vereinbart wird. Vor allem für Selbstständige mit hohem Einkommen bietet sich diese Alternative an. Im Rahmen der Komplettentlastung im Alter wird ab dem vereinbarten Zeitpunkt nur mehr die Entlastungsprämie fällig.