Ist die private Krankenversicherung für Existenzgründer günstiger?

Existenzgründer beraten
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Die Wahl zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung ist schwierig. Für Existenzgründer ist die PKV häufig von Vorteil weil Sie deutlicher günstiger ist. Jedoch sollte genau prüfen, wann Sie wirklich Kosten sparen können und wann nicht.

Frei Wahl für Existenzgründer

Als Existenzgründer haben Sie die Wahl zwischen einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung. Komplett darauf zu verzichten ist keine Option, da es in Deutschland eine Versicherungspflicht gibt. Im Gegensatz zu den meisten Arbeitnehmern stehen Ihnen beide Versicherungsformen offen. Waren Sie bereits vorher bei der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, können Sie dort einfach verbleiben. Sonst dürfen Sie sich unter bestimmten Voraussetzungen freiwillig gesetzlich versichern. Dieser Schritt lässt sich nicht ohne weiteres rückgängig machen, weshalb es eine schlaue Entscheidung zu treffen gilt.

GKV & PKV: Der Unterscheid

In der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten alle Mitglieder die gleichen Leistungen. Es lassen sich nur einige kleine Zusatzpakete gesondert buchen. Anders verhält es sich bei den privaten Krankenversicherungen, da sich die Beiträge am gewählten Leistungspaket orientieren. Hier wird die Höhe der Kosten vom Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand beeinflusst. Dafür spielt das Einkommen bei der PKV keine Rolle und ist bloß für die GKV relevant.

Info: Der Europäische Gerichtshof hat das Geschlecht als Kriterium ausgeschlossen. Bis zum 20.12.2012 mussten Frauen höhere Beiträge entrichten, doch dieser Nachteil wurde gesetzlich verboten.

Die Kosten im Überblick

Kostenberechnung
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Um herauszufinden ob die gesetzliche oder private Krankenversicherung für Sie als Existenzgründer günstiger ist, muss man über die aktuellen Beitragsberechnungen informieren. Die folgenden Zahlen von 2016 werden Ihnen bei der richtigen Wahl helfen.

1. Gesetzliche Krankenversicherung

Als Existenzgründer zahlen Sie einen Beitragssatz von 14,0% inklusive Zusatzbeitrag. Mit dem gesetzlichen Krankengeld erhöht sich dieser Wert auf 14,6%. Bei der GKV richten sich die Beiträge nach dem Einkommen, wobei es eine Grenze nach oben gibt.

Der Gesetzgeber geht bei hauptberuflich Selbständigen durch die Beitragsbemessungsgrenze von einem maximalen Einkommen von 4.237,50 Euro aus. Das macht in der Summe jeden Monat einen Maximalbeitrag von 577,50 Euro bzw. 631,13 Euro mit Pflegeversicherung für die GKV. Wer mehr verdient, muss keine höheren Beiträge auf das zusätzliche Einkommen zahlen.

Auf der anderen Seite geht der Staat von einem Mindesteinkommen auf 2.178,75 Euro aus, wodurch es zu einem Mindestbeitrag von 368,22 Euro kommt den freiwillig Versicherte zahlen müssen (auch wenn sie weniger verdienen).


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Tipp: In der Anfangsphase werden häufig rote Zahlen geschrieben. Das Einkommen fällt gering aus und die Krankenkasse erweist sich als hohe Belastung. Um diese Phase besser überbrücken zu können, bietet die gesetzlichen Krankenkassen gewisse Nachlässe an. Auf Antrag können Sie die Beitragsbemessung auf einen Wert von 1.452,50 Euro oder niedriger senken. Dafür muss das Einkommen bei unter 2.178,75 Euro liegen. Leider ist dieser Nachlass ausgeschlossen, wenn Sie weniger als 1.452,50 Euro verdienen und eine Gründerförderung beziehen oder über ein Vermögen von mindestens 11.620 Euro verfügen.

2. Private Krankenversicherung

Oftmals sparen sich Existenzgründer ein Grundkapital an, da sich die Firma erst etablieren muss. Es ist keine Seltenheit, dass anfangs Einkünfte von nur 1.400 Euro oder weniger erzielt werden. Das erweist sich bei der gesetzlichen Krankenversicherung als Problem, denn bei den 11.620 Euro wird auch das Vermögen des Ehepartners eingerechnet. Somit stellt sich die Krankenkasse als enorme Belastung heraus, weshalb die PKV eine sinnvolle Alternative ist.

Der Existenzgründer hat bei der privaten Krankenversicherung die Möglichkeit, sich über einen Basistarif günstig zu versichern. Dieser Tarif muss von der PKV ohne Gesundheitsprüfung und ohne Gefahr der Ablehnung angeboten werden. Hier können die Kosten bei unter 100 Euro liegen, ein Einsteigertarif schlägt mit rund 200 Euro zu Buche. Meist wird ein Kind als Argument für die GKV verwendet, da es kostenfrei mitversichert ist. Geht man näher ins Detail, verlangen private Anbieter ca. 100 Euro für diese Leistung. Somit erweist sich die private Krankenversicherung für Existenzgründer als günstigere Lösung, vor allem wenn Sie einen Tarif mit Selbstbeteiligung abschließen.

Der Höchstbeitrag von 665,29 Euro gilt für gesetzliche und private Krankenversicherungen (nur Basistarif) in gleicher Höhe. Hier ist der maximale Beitrag der GKV und der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz der Krankenkassen enthalten.

Beispielrechnung: PKV im Vergleich zur GKV

Existenzgründer am Schreibtisch
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Ein Existenzgründer verdient 2.150,00 Euro pro Monat. Anfangs braucht es ein wenig Zeit, um das Business zu etablieren. Bei der gesetzlichen Krankeversicherung müsste er einen Betrag von 311,57 Euro ohne Krankengeldanspruch und zusätzlich 56,65 Euro (kinderlos) für die Pflegeversicherung zahlen (Gesamt: 368,22 Euro ohne Krankengeld). Bei einer privaten Krankenversicherung können Existenzgründer einen soliden Einsteigertarif für wesentlich günstigere 250 Euro abschließen.

Wird ein deutlich höheres oder ein sehr niedriges Einkommen erzielt, zahlt sich eine private Krankenversicherung umso mehr aus. Besonders junge und gesunde Existenzgründer profitieren von den günstigeren Beiträgen, da sie sich nicht am Gehalt orientieren. Handelt es sich um einen 50-jährigen Existenzgründer mit einigen Vorerkrankungen, könnte sich die GKV als bessere Wahl erweisen.

Fazit

In den meisten Fällen stellt sich eine private Krankenversicherung als günstigeste Variante für Existenzgründer heraus: Es wird in der Regel in jüngeren Jahren gegründet, da kaum jemand mit 58 seine Rente gefährden möchte. Mit 28 oder 32 Jahren ist die Gesundheitsprüfung keine große Hürde und wirkt sich eher geringfügig auf die Beitragshöhe aus.

Wer bereits eine Familie hat und über 50 Jahre alt ist, könnte in der gesetzlichen Krankenversicherung besser aufgehoben sein. Chronische Erkrankungen sind ebenfalls ein Argument für die gesetzliche Krankenkasse.