PKV Tarife mit hoher Selbstbeteiligung: Die Vorteile und Nachteile

Sparen durch hohe Selbstbeteiligung
© olly / Fotolia

Alle privaten Krankenversicherungen bieten Tarife mit einer Selbstbeteiligung an. Besonders locken hohe Selbstbesteiligungen mit sehr niedrigen Beiträgen. Doch haben diese Tarife wirklich nur Vorteile?

Selbstbeteiligung: Was bedeutet das eigentlich?

Selbstbeteiligung oder Selbstbehalt ist das Signalwort dafür, dass der Patient einen Teil der Behandlungs-, Therapie- oder Medikamentenkosten selbstträgt. Grundsätzlich gibt es innerhalb einer privaten Krankenversicherung hierfür vier Modelle:

  1. Selbstbeteiligung in allen Leistungsbereichen: Sie müssen stets eine gewisse Summe selbst zahlen, wenn Sie Leistungen der privaten Krankenversicherung in Anspruch nehmen
  2. Selbstbeteiligung in spezifischen Teilbereichen: Dies ist das gängige Szenario in den meisten PKV-Tarifen. Sie zahlen nur bei bestimmten Versicherungsleistungen selbst einen Teil, beispielsweise beim Zahnarzt oder für Medikamente
  3. Prozentuale Selbstbeteiligung bis zu einem Maximalbetrag: Dies ist das sogenannte „GKV-Modell“, weil es in den gesetzlichen Versicherungen üblich ist. Sie zahlen stets selbst einen prozentualen Anteil, wenn Sie Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen, allerdings nur bis zu einem Maximalbetrag. Als Beispiel: Sie zahlen stets 20 Prozent, allerdings nur bis zu maximal 100 Euro.
  4. Von Fall zu Fall Selbstbeteiligung: Dieses Modell ist eine Randerscheinung am Markt. Die Versicherung definiert bestimmte Fälle, wann Sie eine Selbstbeteiligung haben – beispielsweise für jeden Arztbesuch.

Bei den Fällen 1,2 und 4 wird die maximale Selbstbeteiligung pro Jahr gerechnet. Im 3. Fall gibt es keine jährliche Grenze.

Was gilt bei einer PKV als „hohe“ Selbstbeteiligung?

Die Bandbreite der möglichen Selbstbeteiligungen in den privaten Krankenversicherungen ist extrem groß. Sie reicht von 0 bis zu 5000 Euro pro Jahr. Bei einigen Versicherungen liegt die untere Grenze bei 53 Euro. Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen einer „moderaten“ und einer „hohen“ Selbstbeteiligung.

Sie unterscheiden hierfür zwischen Berufsgruppen. Für Freiberufler bzw. Selbstständige beginnen hohe Selbstbeteiligungen ab 600 Euro pro Jahr. Für Arbeitnehmer beginnen diese bereits ab 500 Euro jährlich.

Vorteile einer hohen Selbstbeteiligung

Wie angesprochen fallen die Beiträge durch hohe Selbstbeteiligungen niedriger aus. Jährliche Einsparungen von bis zu 1000 Euro sind auf diese Weise möglich. Alternativ kann die Kostenersparnis von Ihnen aber auch umgelegt werden, indem Sie weitere Leistungsbereiche buchen.

Sie könnten sich so beispielsweise für einen PKV Tarif entscheiden, der die Arbeit von Heilpraktikern einschließt. Hohe Selbstbeteiligungen versetzen Sie also in die Lage, zumindest so lange Sie gesund sind, gezielt zu sparen und sich umfassender abzusichern.

Nachteile einer hohen Selbstbeteiligung

Die Liste der Nachteile ist allerdings lang. Grundsätzlich gilt: PKV Tarife mit hoher Selbstbeteiligung rechnen sich eigentlich nur für Freiberufler und Selbstständige, jedoch nicht für Arbeitnehmer. Beim Arbeitnehmer zahlt schließlich der Arbeitgeber die Hälfte der monatlichen Prämie, dafür tragen Sie als Angestellter die Selbstbeteiligung aber alleine. Sie teilen den Nutzen, schultern die Last jedoch selbst.


Private Krankenversicherung im Vergleich:

Fordern Sie jetzt Ihren kostenlosen und unverbindlichen Vergleich der Testsieger von unserem Experten an.


Manche Versicherungen gestalten es zudem überaus schwierig, von einem PKV Tarif mit hoher Selbstbeteiligung in ein Angebot mit niedrigem Selbstbehalt zu wechseln. Gerade junge und gesunde Menschen verfolgen diesen Plan häufig: erst einmal niedrige Beiträge zahlen – und in 10 oder 20 Jahren in einen anderen Tarif wechseln. Dies kann häufig zu einem bösen Erwachen führen.

Soche Tarife führen überdies häufig zu hohen Ersparnissen auf Seiten der PKV, an die Sie so nicht denken. Die Versicherten reichen oft geringfügige Rechnungen überhaupt nicht mehr ein, weil es sich scheinbar nicht lohnt, auf 10 oder 20 Euro zu warten. Aufs Jahr gerechnet kommt dabei nicht selten eine stattliche Summe zusammen. Wenn Sie sich für einen PKV Tarif mit hoher Selbstbeteiligung entscheiden, sollten Sie deshalb dringend die notwendige Disziplin aufbringen, wirklich stets alle Rechnungen abzugeben.