Welche Krankenversicherung für Selbständige mit geringem Einkommen

Selbständiger schiebt Euro

Für Selbständige, die zu Beginn noch mit einem geringem Einkommen auskommen müssen, sollte die Wahl der Krankenversicherung gut überlegt sein. Auch wenn die PKV häufig durch niedrige Beiträge besticht, bieten auch die gesetzlichen Krankenkassen – je nach Lebenssituation – finanzielle Vorteile.

Selbständige haben grundsätzlich die Wahl, ob sie als freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse bleiben wollen oder sich privat krankenversichern lassen. Anders als bei Arbeitnehmern ist diese Wahlmöglichkeit nicht an bestimmte Einkommenshöhen gebunden. Die Einkünfte spielen aber einige wichtige Rolle bei der Wahl zwischen den beiden Versicherungssystemen. Gerade bei Existenzgründungen sind die erzielten Einnahmen zunächst überschaubar. Die Beiträge zur Krankenversicherung können da schnell zur Belastung werden.

Haupterwerb als Voraussetzung für Wahlfreiheit

Die Wahlfreiheit besteht nur, wenn die selbständige Tätigkeit hauptberuflich – das heißt mehr als 18 Stunden die Woche und als Haupterwerbsquelle – ausgeübt wird. Ansonsten wird die Art der Krankenversicherung maßgeblich durch den Haupterwerb beeinflusst. Wenn Sie zum Beispiel überwiegend als Arbeitnehmer beschäftigt sind, Ihre Selbständigkeit nur nebenberuflich ausüben und mit Ihre Einkünfte unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegen, bleiben Sie weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert.

Unterschiedliche Versicherungsprinzipien

UnterschiedeDie GKV ist nach dem Solidarprinzip organisiert. Die Beiträge hängen von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab. Besser Situierte zahlen für gleiche Leistung mehr als sozial Schwächere. Der Maßstab dafür ist das erzielte Einkommen. Im Unterschied zu Arbeitnehmern, bei denen nur die Erwerbseinkünfte zugrunde gelegt werden, zählen bei Selbständigen auch andere Einkünfte mit (z.B. Mieterträge oder Kapitaleinkünfte). Als Ihr eigener Arbeitgeber müssen Sie außerdem die Beiträge zu 100% selbst tragen.

Die private Krankenversicherung funktioniert dagegen nach dem Versicherungsprinzip. Hier sind Beiträge vom versicherten Risiko abhängig. Das Risiko wird vor allem durch das Alter und den Gesundheitszustand bestimmt. Privatversicherte Arbeitnehmer erhalten vom Arbeitgeber einen Zuschuss zu den Beiträgen. Auch hier gilt, dass Sie als Selbständige Ihren Beitrag alleine zahlen müssen.

Weitblick zahlt sich (später) aus

Wenn Sie als Selbständiger zunächst mit einem geringem Einkommen auskommen müssen, empfiehlt es sich abzuwägen was günstiger ist: GKV oder PKV.

Dabei sollten Sie mögliche Zukunftsperspektiven mit berücksichtigen. Das gilt nicht nur im Hinblick auf die geplante geschäftliche Entwicklung, sondern auch auf die familiäre Situation. Durch Heirat und Familiengründung können sich Ihre Entscheidungsgrundlagen gravierend verändern.

Das Problem dabei ist: wurde einmal in die private Krankenversicherung gewechselt, ist der Rückweg nur noch in eng begrenzten Ausnahmefällen möglich. Wer zunächst in der gesetzlichen Krankenverischerung bleibt, hat dagegen immer noch die Möglichkeit später umzusteigen.


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Höchst- und Mindestbeiträge in der GKV

Bei den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung existieren bestimmte Ober- und Untergrenzen. Beiträge werden nur auf Einkünfte bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben. Diese liegt derzeit bei 4.050 Euro pro Monat. Wer als Selbständiger ein geringeres Einkommen hat, zahlt entweder den regulären Satz von 15,5% oder den ermäßigten Satz von 14,9%. Beim ermäßigten Satz haben Selbständige keinen Anspruch auf das gesetzliche Krankengeld. Sie können Krankengeld dann entweder über einen Wahltarif bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse oder über eine private Zusatzversicherung abdecken.

Für Selbständige gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung allerdings auch eine Mindestbemessungsgrenze von aktuell 2073,75 Euro monatlich. Selbst wenn das Einkommen niedriger liegt, werden die Versicherungsbeiträge an diesem Betrag bemessen. Eine Ausnahme gibt es nur für Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit, die einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit erhalten. Die Mindestbemessungsgrenze beträgt hier 1382,50 Euro und der Gründungszuschuss bleibt unberücksichtigt. Das macht einen Mindestbeitrag von rund 309 Euro bzw. 206 Euro im Monat, bei geförderten Existenzgründern. Der tatsächliche Beitragssatz – bezogen auf das erzielte Einkommen – ist dadurch unter Umständen deutlich höher als die zuvor genannten Sätze. Maximal kann bei dem ermäßigten Satz ein Beitrag von rund 603 Euro monatlich anfallen. Hier eine genauere Berechnung am Beispiel der DAK.

Junge Singles profitieren in der PKV

junger SelbständigerGerade in jungen Jahren ist die private Krankenversicherung oft günstiger. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie den Basistarif wählen. Er bietet ein der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares Leistungsniveau und ist daher mit niedrigeren Beiträgen verbunden als die klassischen Privat-Tarife. Diese bieten allerdings auch höherwertige Leistungen.

Wenn das Einkommen während der Selbständigkeit steigt, müssen Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse mehr Beiträge zahlen, in der PKV bleiben die Beitragszahlungen dagegen unbeeinflusst. Mit zunehmendem Eintrittsalter steigen die Beiträge in der PKV allerdings stark an, da hier in der Regel nur unzureichend Altersrückstellungen zur Abfederung des altersbedingten Kostenanstiegs zur Verfügung stehen. In der GKV sind die Beiträge dagegen altersunabhängig. Dieser Vorteil der privaten Krankenversicherung kann sich dann genau umkehren. Dieser Nachteil trifft zum Beispiel häufig auf Existenzgründer zu, die sich erst in späteren Jahren selbständig machen.

Familienversicherung spricht für GKV

Schutz der FamilieAuch wenn es um die Absicherung von Familienangehörigen geht, bietet die gesetzliche Krankenversicherung Vorteile. Wenn der Ehepartner über kein eigenes beitragspflichtiges Einkommen verfügt, kann er in der GKV nämlich über die sogenannte Familienversicherung beitragsfrei mitversichert werden. Das gilt bis zu bestimmten Altersgrenzen auch für Kinder. In der PKV müssen dagegen für jedes Familienmitglied gesonderte Versicherungsverträge abgeschlossen werden. Dies macht die private Absicherung schnell teurer.

Fazit: Keine eindeutige Antwort

Eine eindeutige Antwort, welche Krankenversicherung für Selbständige mit einem geringen Einkommen besser ist, gibt es nicht. Es kommt immer auf die jeweilige Konstellation an. Junge Singles stellen sich mit der PKV dann besser, wenn es bei dem Single-Dasein bleibt oder der Partner selbst berufstätig ist. Wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, ist die GKV meist günstiger. Dies gilt auch für ältere Selbständige, die beim Wechsel zur PKV in der Regel hohe Einstiegsbeiträge zahlen müssen.