Welche Krankenversicherung für Selbständige mit Familie

Selbständiger mit Familie
© olly / Fotolia

Selbständige haben allerdings die Qual der Wahl: Wollen sie sich in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichern oder vertrauen sie auf eine der privaten Krankenversicherungen? Schon allein wäre diese Entscheidung schwierig genug, noch komplizierter wird es mit einer Familie. Für die richtige Wahl ist die individuelle Situation und Lebensplanung entscheidend!

Die Vorteile der GKV für einen Selbständigen mit Familie

Der größte Vorteil für Selbständige in der gesetzlichen Krankenversicherung ist der sogenannte „Familientarif“ bzw. die „Familienversicherung„. Ehepartner, die maximal 405 Euro bzw. 450 Euro monatlich über einen Minijob verdienen, können kostenfrei mitversichert werden. Dies gilt ebenfalls für alle Kinder, die das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Befindet sich der Nachwuchs noch in der Hochschul- oder Berufsausbildung, wird die Grenze auf die Vollendung des 25. Lebensjahres hinausgeschoben. Wird die Versicherung des Kindes unterbrochen, beispielsweise durch ein freiwilliges soziales Jahr, so wird die Fehlzeit nachgeholt.

Ein weiterer Vorteil ist die vergleichbar kalkulierbare finanzielle Belastung. Eigentlich werden die Beiträge über die Höhe der Einkünfte berechnet. Aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze drohen maximal 630 Euro pro Monat. Die meisten Versicherten zahlen allerdings deutlich weniger: Zum Einsatz kommen 75% der monatlichen Bezugsgröße – dies entspricht einer Beitragshöhe von 330 Euro pro Monat. Wer aufgrund zu geringer Einkünfte (z.B. wegen zu vieler Kinder) den Betrag zahlen kann, darf „soziale Härte“ geltend machen. Dies gilt für jeden, der höchstens 1417,15 Euro Gewinne pro Monat (Stand: Januar 2016) erwirtschaftet – die Beiträge sinken dann auf etwa 220 Euro.

Hinweis: Stiefkinder und Pflegekinder können ebenfalls kostenlos in der GKV über die Familienversicherung aufgenommen werden. Gleiches gilt für Enkelkinder, die von ihren Großeltern unterhalten werden.

Die Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

Vater mit Tochter
© olly / Fotolia

Die kostenfreie Mitversicherung der Kinder kann aufgehoben werden, wenn einer der Ehepartner bzw. Mitglieder in einer eheähnlichen Gemeinschaft privat versichert ist und mindestens 4687,50 Euro brutto (Stand: Januar 2016) pro Monat verdient. Darüber hinaus ist eine Versicherung in der GKV für Selbständige überhaupt nur möglich, wenn die Bedingungen der sogenannten „Vorversicherung“ erfüllt wurden. Man muss mindestens 24 Monate Mitglied in der GKV gewesen sein und wenigstens zwölf Monate am Stück vor der Weiterversicherung als Selbständiger entsprechend versichert gewesen sein.

Wer später aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln möchte, darf dies zudem nur tun, wenn er höchstens 55 Jahre alt ist und die jährlichen Gewinne 49.500 Euro nicht übersteigen. Umgekehrt ist der Wechsel hingegen jederzeit problemlos möglich.

Darüber hinaus bauen die GKV keine Altersrückstände wie die PKV auf, um auch im Rentenalter erstklassige medizinische Versorgung zu stabilen Beiträgen zu gewährleisten. Es drohen Zuzahlungen, erhöhte Beiträge oder Leistungskürzungen.

Grundsätzlicher Nachteil ist der hohe bürokratische Aufwand: Gehälter müssen regelmäßig nachgewiesen werden. Die Bearbeitungszeiten können sich zudem ziehen. Die Tarife für „soziale Härtefälle“ werden meist etwa erst zwei Monate nach Antragsstellung wirklich eingerichtet.


Private Krankenversicherung im Vergleich:

Fordern Sie jetzt Ihren kostenlosen und unverbindlichen Vergleich der Testsieger von unserem Experten an.


Die Vorteile der PKV für Selbständige mit Familie

Schutz der Familie
© olly / Fotolia

Der größte Vorteil der privaten Krankenversicherung für Selbständige ist, dass die Versicherungen die Beiträge nicht nach Gehalt, sondern nach Alter und Gesundheit einstufen. Zudem kann man die Leistungen individuell einstellen lassen. Sehr günstige Tarife lassen sich so erzeugen, die deutlich unter dem liegen, was in der GKV zu zahlen ist. Läuft es im eigenen Unternehmen besser, kann man die Leistungen und Beiträge anpassen lassen. Für die eigene Familie gibt es zudem häufig spezielle „Mitversicherungsangebote“ wie beispielsweise 50% Ermäßigungen für Ehepartner.

Dadurch, dass Altersrückstände aufgebaut werden, bleibt die medizinische Versorgung auch im Rentenalter bezahlbar und erstklassig. Bei vielen Ärzten werden privat Versicherte zudem insgesamt bevorzugt behandelt und erhalten schnellere Termine sowie eine breitere Versorgung. Die meisten privaten Krankenversicherungen übernehmen beispielsweise auch die Kosten für Heilpraktiker-Therapien, die von den GKV nicht übernommen werden.

Um sicherzugehen, dass Selbständige, die sich in der PKV versichern müssen, nicht deutlich zu viel bezahlen, hat der Gesetzgeber im Jahr 2009 die „Basistarife“ eingeführt. Diese müssen mindestens die Leistungen der GKV-Tarife bieten. Viele private Versicherungen offerieren jedoch deutlich mehr.

Die Nachteile der privaten Krankenversicherung

Mutter mit Kinderwagen
© olly / Fotolia

Nur Junge und Gesunde bezahlen wirklich deutlich weniger als in der GKV. Der Höchstbetrag im Basistarif beträgt nur für den Selbständigen beispielsweise 639 Euro (Stand: Januar 2016). Kommen noch Ehepartner und Kinder hinzu, fällt der Betrag wesentlich höher aus. (Allerdings greift eine Sozialklausel: Wer nach Zahlung des Basistarifs nur noch so wenig Geld in der Tasche hat, dass er Anspruch auf ALG II hätte, kann die PKV dazu zwingen, den Beitrag um 50% zu reduzieren.)

Darüber hinaus gibt es keine Beitragsstabilität wie in der GKV. Bei vielen privaten Krankenversicherungen haben sich Tarife zum Jahreswechsel um zehn, elf oder noch mehr Prozent verteuert. Ein Tarifwechsel ist zwar möglich, aber das Leistungspaket verändert sich damit ebenfalls.

Im Falle, dass der Selbständige scheitert und auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen ist, übernimmt das Amt zudem nur einen Teil der Kosten. Ein Teil des Beitrags bleibt beim gescheiterten Selbständigen. Medikamente müssen zudem zumeist aus eigener Tasche vorgestreckt werden, was zur erheblichen Belastung werden kann.

Fazit: Großfamilien fahren mit der GKV besser

Grundsätzlich gilt: Je größer die Familie des Selbständigen ist, desto besser ist die gesetzliche Krankenversicherung geeignet. Die PKV kann ab drei Kindern die Familienversicherung nicht mehr schlagen. Gesunde und junge Drei-Personen-Familien, die von einem erfolgreichen Selbständigen getragen werden, fahren mit einer privaten Krankenversicherung besser. Bei Vier-Personen-Familien muss man rechnen und abwägen.