Krankenversicherung für Existenzgründer mit Kleingewerbe: privat oder gesetzlich?

Existenzgründer Wahl
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Die Wahl der passenden Krankenversicherung ist für Existenzgründer, die sich mit einem Kleingewerbe selbständig machen, besonders wichtig und leider auch sehr schwierig. Je nach Lebenssituation und Vorlieben kann sowohl eine gesetzliche, also auch eine private Versicherung interessant sein.

Eine Einführung ins „Kleingewerbe“

Als Kleingewerbe werden alle Formen unternehmerischer Betätigung bezeichnet, die von ihrem Umfang her noch keinen kaufmännischen Geschäftsbetrieb erfordern. Für Kleingewerbetreibende bedeutet das erhebliche Vereinfachungen bei Buchführung, Rechnungslegung und Besteuerung. Von besonderer Bedeutung ist die sogenannte Kleinunternehmerregelung bei der Umsatzsteuer. Als Kleinunternehmer gilt man, solange der Umsatz im letzten Jahr 17.500 Euro und im laufenden Jahr 50.000 Euro nicht überschreitet. Erst mit Überschreitung dieser Grenze(n) tritt eine Umsatzsteuerpflicht ein.

Wichtige Entscheidung zu Beginn der Existenzgründung

Wenn das Kleingewerbe als Haupterwerb ausgeübt wird, sind Existenzgründer als Selbständige von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung befreit. Sie haben die Wahl sich privat oder freiwillig gesetzlich zu versichern.

Die Entscheidung über die Wahl der passenden Krankenversicherung muss innerhalb der ersten drei Monate der Selbständigkeit geschehen. Ein späterer Systemwechsel ist nur eingeschränkt möglich.

Privat und gesetzlich: Die beiden Systeme

Das private und gesetzliche Versicherungsystem arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien. In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Solidaritätsprinzip. Hier erfolgt die Beitragszahlung auf der Grundlage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Maßgeblich dafür ist das erzielte Einkommen.

In der privaten Krankenversicherung greift dagegen das Versicherungsprinzip. Für die Bemessung der Beiträge ist das persönliche Krankheitsrisiko entscheidend, das Einkommen spielt dagegen keine Rolle.

Persönliche Situation ist entscheidend

Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Versicherungssystem wird wesentlich durch die persönliche Lebenssituation und -planung beeinflusst.

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Familienangehörige automatisch und ohne Aufpreis mitversichert. In der privaten Krankenversicherung muss dagegen jedes einzelne Familienmitglied gesondert versichert werden.


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Für Alleinstehende ist eine Privatversicherung daher oft günstiger, für Familien dagegen eine gesetzliche Krankenkasse. Es kommt aber immer auf die konkrete Konstellation im Einzelfall an.

Ein Beispiel der möglichen Kosten

Wie sich die Kosten einer (privaten oder gesetzlichen) Krankenversicherung für Existenzgründer darstellen, soll im Folgenden beispielhaft erläutert werden. Dazu sind eine Reihe von Annahmen erforderlich: Betrachtet wird ein dreißigjähriger Alleinstehender, der sich selbständig macht.

Bei dem Beispiel für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung wird davon ausgegangen, dass wegen des Kleingewerbes noch ein Einkommen unterhalb der Mindestbemessungsgrenze erzielt wird. Dann gilt für die Beitragsbemessung ein Mindesteinkommens-Ansatz von 2073,75 Euro (Stand: 2014). Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit, die von der Agentur für Arbeit mit Gründerzuschüssen gefördert werden, können eine noch niedrigere Bemessungsgrenze nutzen, nämlich 1382,50 Euro (Stand: 2014). Diese Grenze gilt auf Antrag auch für Kleingewerbetreibende mit entsprechend geringen Einkünften.

Der Beitragssatz sind dabei unabhängig davon, bei welcher gesetzlichen Krankenkasse Versicherungsschutz vereinbart wird.

Um die Vergleichbarkeit mit der privaten Krankenversicherung zu gewährleisten, wird bei beiden Versicherungssystemen ein Versicherungsschutz ohne Krankengeldanspruch angenommen.  Es erfolgt zudem ein Absicherung zum Basistarif, um ein der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares Leistungsniveau zu erhalten.

Dann ergbenen sich folgende private und gesetzliche Monatsbeiträge zur Krankenversicherung (inkl. Pflegversicherung) für Existenzgründer mit einem Kleingewerbe:

  • Gesetzliche Krankenkasse:
    Mindestbemessungsgrenze 2073,75 Euro: 356,69 Euro (mit Kinderlosenzuschlag in der Pflegeversicherung)
    Mindestbemessungsgrenze 1382,75 Euro: 237,79 Euro
  • Private Krankenkasse:
    Beitrag je nach Anbieter, ab etwa 300,- Euro (dabei kommt es auf den einzelnen Anbieter und den jeweiligen Tarif an; die Beiträge können auch deutlich höher liegen).

Wann ist welche Krankenversicherung für Existenzgründer günstiger?

zufriedener Gründer
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Diese Gegenüberstellung (oben) macht deutlich, dass die Kosten einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung in einer Phase niedriger Einkünfte, wie sie bei Existenzgründern mit einem Kleingewerbe typisch sind, nicht deutlich über denen einer Privaten Krankenversicherung liegen oder sogar niedriger sein kann.

Wenn Familienangehörige durch die Familienversicherung mitzuversichern sind, fällt der Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse unmittelbar ins Auge. Denn dann entsteht keine zusätzliche Beitragsbelastung, während in der Privaten Krankenversicherung ein weiterer Versicherungsvertrag abzuschließen ist.

Wenn Einkünfte oberhalb der Mindestbemessungsgrenze erzielt werden, kann sich das Bild allerdings recht schnell umkehren. Dann steigen nämlich die Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse entsprechend an, während die Beiträge deiner Privatversicherung unverändert bleiben.

Nicht nur Beiträge vergleichen

Bei der Entscheidung zwischen einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung sollten Existenzgründer sich jedoch nicht alleine auf einen Beitragsvergleich verlassen. Es gibt auch Unterschiede im Leistungsniveau und -umfang.

Ein wichtiger Unterschied betrifft das sogenannte Krankengeld. In der gesetzlichen Krankenversicherung wird bei Arbeitsunfähigkeit ab der siebten Woche Krankengeld als Ersatz für Verdienstausfall gezahlt. Im oberen Beispiel ist dieser Krankengeldschutz zwar ausgeklammert, der Krankengeldanspruch bedeutet aber nur eine überschaubare Mehrbelastung bei den Beiträgen und bringt gleichzeit eine hohe zusätzliche Sicherheit – gerade für Existenzgründer. In der privaten Krankenversicherung ist dagegen Krankengeld als Regelleistung nicht vorgesehen. Hierfür ist ein extra Versicherungsschutz zu vereinbaren.

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet den Versicherungsnehmern die ärztliche Grundversorgung. Der Leistungsumfang einer Privatversicherung greift dagegen oft weiter. Wer Wert auf besonders bevorzugte Behandlung legt oder Leistungen in Anspruch nimmt, die nicht im gesetzlichen Basiskatalog vorgesehen sind, fährt mit einer privaten Absicherung meist besser.

Eine persönliche Beratung nutzen

Das Fazit lautet: Eine generelle Empfehlung, ob eine private oder gesetzliche Krankenversicherung für Existenzgründer mit einem Kleingewerbe optimal ist, kann nicht gegeben werden. Es kommt immer auf den Einzelfall und die persönlichen Wünsche an. Qualifizierte und kompetente Beratung zur Entscheidungsfindung ist auf jeden Fall sinnvoll.